Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Bei der Referenz sollst Du sie packen

Gestern erschien im Leben-Magazin-Teil der Print-ZEIT eine Landkarte, ich nenne es mal ein manual Mashup, auf der eben die Standorte der laut Blogcharts, also Technorati, meistverlinkten deutschen Blogs eingetragen sind.

Und plötzlich geht es ab. Die sonst von Bloggern verschmähte ZEIT verbucht Verlinkungserfolge in der deutschen Blogosphäre. Überall trifft man auf Korrekturen, Aufregung, Vorwürfe aber auch Ergebnisdiskussion und einige »hier seht mal, ich bin in der ZEIT«-Artikel.

Jedenfalls sind das (gefühlt) wesentlich mehr Reaktionen, als beispielsweise zum Netz gegen Nazis oder beim Grimme-Award-Gewinn des Störungsmelders kamen.

Hmmm. Das führt mich zu einer Idee.

Hier sind sie: die drei besten Möglichkeiten, wie man als Nachrichtenwebsite, die nicht SPON ist, in der deutschen Blogosphäre zu erhöhter Verlinkung kommt:

  1. Auf Platz drei:
    Schreibe einen Artikel der Bloggen als die doofe Angewohnheit vertrottelter gymnasialer Sitzenbleiber aus der letzten Bankreihe einer JUSO-Bezirkskonferenz im Kreis Lauenburg, Ortsteil Wolkenkuckucksheim, darstellt und nenne dabei möglichst viele Besipiele, ohne sie aber zu verlinken.

  2. Auf Platz zwei (Spannung!):
    Schreibe irgendeine Allerweltsaussage, also etwas auf das auch Deine Oma oder Lukas Podolski kommen, in einem beliebigen Weblog ab und behaupte hinterher das Gegenteil.

  3. Und auf Platz eins: die beste Möglichkeit, wie man als Nachrichtenwebsite, die nicht SPON ist, in der deutschen Blogosphäre zu erhöhter Verlinkung kommt, iiisssssssssstttt:
    Stosse einen Sack Reis um, der einem oder 100 Bloggern auf die Füsse fällt: präsentiere bspw. die TOP-100-Technorati-Blogs auf einer Deutschlandkarte (Rechercheaufwand: ca. 1h), streue dabei aber Fehler ein (Schreibfehler und falsche Fakten), stelle im Anreisser zur Karte eine steile These auf (siehe Platz 3) und schreibe auch gleich rein, dass es sich um einen Sack Reis handelt (»…ist es ziemlich egal, wo sie entstehen«).

Perfekt. Jetzt fehlt nur ein Blog, dass den Skandal entdeckt, dass DIE ZEIT in Wahrheit zur Holtzbrinck-Gruppe gehört (kennste doch von studiVZ).

Disclaimer: ZEIT ONLINE ist mein Arbeitgeber.

11 Kommentare

  1. >ZEIT ONLINE ist mein Arbeitgeber.

    Selbstironie?

    >Hmmm. Das führt mich zu einer Idee.

    Diese Idee ist schon recht alt, würde man diese jedoch torpedieren wollen, so wäre die öffentliche Meinung gänzlich abgetötet.

    >beim Grimme-Award-Gewinn des Störungsmelders kamen.

    Es gibt Leute die glauben im Netz damit etwas bewegen zu können, es gibt wiederum andere Leute die schon aktiv sind und keine großen Worte darüber verlieren? Wo bleibt der Preis für jene tatsächlich Aktiven?

    Der Grimme-Award ist zudem eine Lachnummer sondersgleichen und allenfalls für die alten Medien von Relevanz, um sich mittels der üblichen Netzwerke höchstselbst zu pushen.

    http://buettchenbunt.de/node/784

    http://www.fixmbr.de/grimme-online-award-sie-tun-es-wieder/

    Gegenfrage ist dieser Kommentar hier ein kläglicher Versuch die Reichweite zu erhöhen? Die Eingangs erwähnte Idee funktioniert nicht immer.

  2. Hmmm… die Sperrfristendiskussion verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz, aber ich bin ja auch kein Journalist. Dass der Grimme-Award auch für „neue“ Medien eine Relevanz hat, beweise die zahlreichen Blogartikel dazu, z.B. der hier:

    http://www.fixmbr.de/grimme-online-award-sie-tun-es-wieder/

    Und zur Selbstironie: nein, einfach eine tatsache, die ich nicht verschweigen möchte.

  3. Inhalte, die so effektiv Links fischen sind relativ schnell erklärt. Warum eure Karte so gut funktioniert auch. Es ist das gute alt „eat your own dog food“. Etwas über Blogs zu schreiben, ist ungefähr wie in einer Tropfsteinhöhle „Echo“ zu schreien. Noch besser funktioniert, wenn man einen einfachen direkten Link hat, in eurem Fall eine Grafik. Verlinken, kommentieren, fertig.

    Diese Karte hat noch mehr Tiefe. Jeder Blog der auch nur irgendwie um Traffic kämpfen muss, schreibt alle paar Wochen eine „Best of“-Liste zu ihrem jeweiligen Thema. Solche Inhalte bringen immer die meisten Hits, weil es so simpel wie genial ist. Eure Grafik ist auch eine Art „Best of“-Liste und vereint alle drei wichtigen Merkmale:

    -- Grafik zum Verlinken
    -- eine Art „Best of“
    -- es zielt direkt auf die Blogosphäre

    Wie ließe sich das noch steigern? Simpel. Filtert diese Karte nach weiblichen Bloggern und bringt „Wo wohnen die attraktivsten deutschen Bloggerinnen?“ inklusive fragwürdigen Bildmaterials. Jetzt darf man mitstoppen, wann und wer eine solche Liste veröffentlicht.

  4. Wie ließe sich das noch steigern? Simpel. Filtert diese Karte nach weiblichen Bloggern und bringt “Wo wohnen die attraktivsten deutschen Bloggerinnen?” inklusive fragwürdigen Bildmaterials. Jetzt darf man mitstoppen, wann und wer eine solche Liste veröffentlicht.

    **ggg, geile Idee, aber das ist dann etwas für die Mitbewerber ;)

  5. Eben drum. Es dürfen Wetten angenommen werden unter welcher URL wir das bald lesen dürfen ;)

  6. Ja, alles richtig, ganz erwartungsgemäß hat die Blogosphäre gejault. Das ist billig und berechenbar, macht aber das halbe Dutzend Fehler, die in der Karte stecken (ich meine nicht den Schreibfehler, der ist egal), nicht weniger peinlich. Das sind Sachen, die jeder hätte verbessern können, der sich halbwegs in den bekannten deutschen Blogs auskennt.

    Und, nein, harmlos ist das nicht, weil es keine Ausnahme ist; ich mache mir Sorgen, wenn in jedem journalistischen Produkt über ein Thema, mit dem ich mich auch nur ein bißchen auskenne, mehrere Fehler sind. Was heißt das für die Themen, von denen ich nichts verstehe? Was heißt es für die Deutschlandkarten im Zeit-Magazin, auf denen relevantere Infos transportiert werden als der Wohnort einiger Blogger oder der Standort der ältesten Karnevalsvereine?

  7. Das erklärt aber nur die Flames (die Korrektur von Beetlebum ist ja hochgradig lustig und treffend).

  8. >Dass der Grimme-Award auch für “neue” Medien eine Relevanz hat, beweise die zahlreichen Blogartikel dazu, z.B. der hier:

    Es ist doch etwas lächerlich unseren Artikel zu nehmen, der Grimme einer Kritik unterzieht. Einer Kritik die auf dem ursprünglichen Anspruch des Instituts abzielt und exakt diesem gilt auch die Relevanz. Hier wird Relevanz mit Reichweite verwechselt. Der Zirkus um Grimme erreicht viele Blogger, die Relevanz jedoch geht gen Null und wird allenfalls in dem dortigen Netzwerk hochgehalten.

    Der bekannte BILD-Blogger genießt Reichweite, er spricht Voyeure an, jene „die es schon immer wußten das BILD nichts taugt“ und sich nun bestätigt sehen. Relevanz hätte er, wenn er etwas bewegen würde.

  9. Lächerlich, naja, alles eine Frage der Definition von Relevanz. Wenn relevanzlose Blogs über relevanzlose Preisverleihungen berichten, meinetwegen, dann ist natürlich alles ohne Relevanz.

    Aber das wollen wir doch nicht, kämpfen wir Blogger nicht permanent um die Relevanz?

    Nehmen wir nochmal die Grimme Preisverleihung als Beispiel: das letzte Jahr war eine Katastrophe, keine Frage. Da gab es viel zu kritisieren, auch und gerade im Umfeld Blogger/Journalisten.

    Und dann dieses Jahr. Zwei Vorwürfe: die Kandidatenauswahl sei »lustlos« und man gab die Gewinner schon am Tag vorher, per Pressemitteilung mit Sperrfrist bekannt.

    Zum ersten Vorwurf kann ich wenig sagen, das Ergebnis fand‘ ich jetzt ganz in Ordnung. Was die PM/Sperrfristsache angeht: im Grunde ist es nur ein einziger Blogger/bloggender Journalist, der darum so einen Aufschrei produziert hat, und der kritisiert das Gehabe mit den Sperrfristen (zu Recht) schon lange und mit Vehemenz.

    Die meisten anderen haben da nur hinterher gebloggt. Die Sau, die mal wieder durchs Dorf getrieben wurde. Einer brüllt „Skandal“ und (zu) viele schreiben es ab.

    Aber ich schweife ab.

  10. Entschuldigung, was bedeutet „SPON“?

  11. SPON = SPiegel ONline…

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  1. […] ZEIT gehört in Wahrheit zur Holtzbrinck-Gruppe!!! Hab ich recherchiert! Wahnsinn […]