Netzeitung adé?
Wie man bei heise.de und auch schon bei onlinejournalismus.de nachlesen kann (die Spatzen pfeifen es also tatsähclich schon von allen Dächern), geht es der Netzeitung möglicherweise an den Kragen.
Dabei ist das Schicksal eher vom Schlingern des Mutterschiffs Berliner Zeitung und den Gewinnvorgaben des Besitzers geprägt, als vom eigentlichen Abschalten des doch so gepriesenen Onlinejournalismus: die Netzeitung war immerhin bis zoomer.de das einizige große deutsche Nachrichtenportal ohne Zeitung hinten dran.
Was widerum einen interessanten Blick auf den Zustand der Verlage in Sachen Internet zuläßt. Hätte man ja zunächst mutmaßen können, dass zumindest die Newssite ohne die tonnenschwere Kugel einer Printausgabe am Ende überleben wird, zeigt sich jetzt die Naivität dieser Annahme. Denn, zumindest jetzt noch, trennen sich Verlage eher von Internetplattformen um den Print zu retten. Klngt anachronistisch… ist aber so.
Bisher hatte man glauben können, mit dem Ausbau der Newsportale versuchen die Verlage eine Zukunft nach Print aufzubauen. In Wahrheit blickt man noch gar nicht so weit, sondern nur bis zur nächsten Ecke: man braucht die Sites zur Rettung des Namens, wenn es im Print nicht mehr so richtig läuft. Wahrscheinlich glaubt man nach wie vor, das Papier könne dann zurück kommen. Jedenfalls ist eine Onlinemarke ohne Printmarke dann völlig nutzlos, was soll man denn damit, die kann man auch mal fürs Überleben der Zeitung opfern… kurzfirstig.
Aber noch ist es ja nicht soweit, am Donnerstag wird man mehr erfahren, heisst es, und die Netzeitung hat man glaube ich auch schon öfter totgesagt…
4 Kommentare
ben_
07.07.2008, 11:04 Uhr
Schade. Ich hatte die Netzeitung ja immer lieb. Es ist aber auch ein Menetekel für alle Online Zeitungen, die versuchen ohne das Startkapital einer starken Offline Marke versuchen, relevante Marktanteile zu ergattern.
Jan
09.07.2008, 17:23 Uhr
Tja, aus der auf kurzfristige Rendite geeichten Sicht von Herrn Montgomery mag die Abkehr von der Online-Strategie ja sogar folgerichtig sein, auch wenn der Schlingerkurs etwas verwundert — immerhin waren die Planungen für einen gemeinsamen Newsroom mit der Berliner Zeitung ja schon ziemlich weit fortgeschritten.
In einem Interview bei besagter Netzeitung hat der Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht in Bezug auf Online-Journalismus meiner Meinung nach ganz treffend formuliert: „Wir sind noch gar nicht in der Phase, wo es sich rechnen sollte.“ Vielleicht wäre es hilfreich, sich -- zumindest im konkreten Bezug -- ein Beispiel an Internetpionieren wie Google zu nehmen, die wissen wie man in einem Markt mit einer dermaßen hohen Wachstums- und Innovationsgeschwindigkeit besteht. Dieses Unternehmen hat es mit dem Prinzip „erst mal etwas aufbauen, dann nach den Verdienstmöglichkeiten schauen“ ja schließlich ziemlich weit gebracht.
Das hieße Übertragen auf den Qualitätsjournalismus: Erstmal ohne überzogene Renditeerwartungen eine Qualitätsmarke im Internet aufbauen, um sich dann in 5 bis 10 Jahren -- wenn der Werbemarkt im Internet jenen in den klassischen Medien eingeholt, wenn nicht gar überholt hat, in einer guten Ausgangsposition zu befinden. Und wer weiß, vielleicht klappt es ja dann in sinnvollen Bereichen doch noch mit dem Paid Content.
Nico Brünjes
10.07.2008, 06:44 Uhr
Die »auf kurzfristige geeichte Sicht« des Herrn Montgomery ist die Sicht des modernen Geldmannes, resp. Aktieninhabers, der möglichst schnell, seine Investition ver-x-facht haben will. Eine solch kurzfristige Geschäftsanlage ist glaube ich heutzutage nicht selten und oft schädlich. Kein Einzelfall jedenfalls.
Das wir nicht in der Phase des Geldverdienens sind, das mag auch schon die letzte Reihe begriffen haben und allen Orten wird ja auch kräftig zugeschossen bzw. investiert, aber leider selten mit dem Ziel der Markenbildung, als eher dem Ziel dahin zum kommen, wo Spiegel Online schon ist. Das muss nicht immer mit Qualität einhergehen…
Jan
10.07.2008, 15:24 Uhr
Mir ist schon klar, dass Herr Montgomery nicht die Ausnahme, sondern leider ziemlich repräsentativ auch für Investoren im Medienbereich ist!
Und: Eben, investieren kann man nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Durchhaltevermögen und journalistische Qualität. Ich gebe dir völlig recht, dass nicht nur bei Spiegel Online zumindest aus Sicht halbwegs anspruchsvoller Konsumenten offensichtlich zu wenig von den Letzteren investiert wird. Daher würde ich Spiegel Online als Gesamtprodukt auch nicht wirklich unter „Qualitätsjournalismus“ einordnen.