iPad: Retter der Witwen und Waisen?
Da platzt mir der Kragen.
Leute, das Video trägt den Titel: »Wired Magazine Goes Digital«. Das ist lustig, wo ich es doch gerade auf der höchst digitalisierten Website von Wired ansehe. Aber jetzt, jetzt werden sie richtig digital:
This is what we’re waiting for for 15 years! We’ve been waiting for an opportunity to use all these visual tools [..] to tell these stories in a way that is effcient, that is multidimensional.
Chris Anderson, Editor in Chief, WIRED
Dabei ist alles was wir in der App sehen:
- PDFs der Artikelstartseiten horizontal aneinandergereiht
- PDFs der Artikelseiten vertikal darunter gruppiert
- Animationen einzelner Elemente auf den Seiten (Wired verzichtet hierbei übrigens aufs Umbättern, aber das wird man auch noch zu Genüge finden)
- 360° Animationen (Quicktime VR?)
- Alles das auch gleichzeitig in nur ungenügend gekennzeichneter Werbung
- bei Facebook empfehlen (darf in keiner App und keinem Werbevideo fehlen, schnarch)
- Videos
Das ist nichts, was man nicht auch auf einer Website machen kann. Das nun die Leute dafür bezahlen werden, eine steile These. Man bedenke die zusätzlichen Produktionskosten, für 360°-Fotografien, Videodrehs, zusätzliche Aufbereitung. Exorbitant höhere Kosten, als für den Druck einer Zeitung oder das Erstellen einer Website. Und das kommt wieder rein? Durch Werbung? Die Werbekunden übertragen wir gleich mit auf das Tablet? Was sind die bereit, dafür zu zahlen?
8 Kommentare
chrismue
17.02.2010, 10:16 Uhr
Ich glaube ich hab die passende Formulierung gefunden. Ich vermute die kommenden iPad-Konsumenten erwarten zeitungsähnliche Webseiten und nicht webseiten ähnliche PDFs. Auf der anderen Seite erwarte ich schon so Acrobat-Reader artiges, einfach weil es in den Arbeitsablauf bisheriger Redaktionen passt. Die iPad-Version wird halt doch nur Randprodukt zum Papier, genau wie die Website. Da fehlen noch viele Jahre, bis man den Schalter völlig umlegt. Hoffentlich bestehen die Verlage noch so lang.
ben_
17.02.2010, 10:35 Uhr
“Welcome to the most annoying Advertising Platform ever” ~ The Tputh
Nico Brünjes
17.02.2010, 10:35 Uhr
Das ist die Formulierung? ;)
Ich bin mir da nicht so sicher, dass der Benutzer irgendetwas zeitungsartiges erwartet. Warum sollte man wieder zurückgehen wollen? Das könnte eine Idee sein, von Leuten, die Zeitung machen, nicht von denen, die Informationen konsumieren wollen oder sollen.
Nico Brünjes
17.02.2010, 10:56 Uhr
BTW: Jeder Dritte würde für journalistische iPad-Inhalte zahlen.
arne_
17.02.2010, 11:10 Uhr
Ich als Wired-Abonnent würde liebend gern die digitale Version in dieser Form haben wollen. Dass die Werbung kaum vom Inhalt unterscheidbar ist, ist Standard bei Wired. Zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigt. Wenig gefällt mir, dass es von Adobe Air getrieben wird.
Zurück zum Punkt: Was ich als Magazin-Leser an Wired schätze sind gute Stories, und eine abgeschlossene Zusammenstellung. Irgendwann ist man halt mal durch mit dem Magazin. Das ist bei einer Website anders. Ich lese gern von Vorn bis Hinten in bestmöglicher Qualität, und darauf ist eine Website weder optisch noch inhaltlich ausgelegt.
Anders: Die künstliche Begrenztheit, die Wired in seiner digitalen Variante erzeugt, wäre mir das gleiche Geld wert, dass ich jetzt für die gedruckte Variante zahle.
Nico Brünjes
17.02.2010, 11:15 Uhr
@Arne: ja, Du bist ja auch schon/noch Wired-Abonnent, also sozusagen einer der Dinosaurier, von denen man schon so viele verloren hat. Das Abo wirst Du dann ja sicherlich auch kündigen, zugunsten einer App, oder?
Bleibt: gleichbleibende Nutzerzahl, bei höheren Produktionskosten (zumindest solange “digitale Version” und Printversion parallel angeboten werden), da muss die Werbung also preislich noch etwas mehr zulegen…
Nico Brünjes
17.02.2010, 11:17 Uhr
Und: es gibt keinen Grund, warum das nicht jemand als Website oder Kostenlos-App anbieten sollte. Wenn man mit der Werbung doch soviel Kohle machen kann.
Ingo
17.02.2010, 13:43 Uhr
Ich konnte Wired auch als Print-Version nie etwas abgewinnen. Das PM-Magazin für Möchtegern-Nerds. There, I said it.