Im Westen nichts Neues
Zum zweiten Mal will die NYT wetten, dass ihre Leser auch im Netz die Brieftasche locker sitzen haben…
Vor über einem Jahr kündigte die New York Times an, ihre Website erneut hinter einer Paywall verschwinden lassen zu wollen. Heute kündigte Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger Jr. in einem Brief an die Leser über digiales Abonnements an, dass der Plan nun in die Tat umgesetzt wird. Kurz zusammengefasst soll das so aussehen:
-
20 Artikel monatlich auf NYTimes.com sind frei abrufbar.
-
Landet man per Link auf NyTimes.com oder kommt von einer Suchmaschine, kann man den jeweiligen Artikel auch gratis lesen.
-
Für Abonnenten der Papierausgabe bleibt die gesamte Website gratis zugänglich.
-
Alle anderen und alles andere kostet ab dem 28. März nun Geld und zwar nicht zu knapp, es gibt drei unterschiedliche Abos:
-
NyTimes.com im Web lesen und die Smartphone App nutzen: $15
-
NYTimes.com im Web lesen und die Tablet App nutzen: $20
-
NYTimes.com im Web lesen und die Smartphone App und die Tablet App nutzen: $35
-
Man sieht, die NYTimes hat trotz Krise der Zeitungen in den USA (und überall sonstwo) nicht den Humor und auch nicht den Optimismus verloren. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Marktforschungen ergeben haben, dass Leute die gleichzeitig per Smartphone- UND Tablet-App NYT nutzen, allesamt reiche Schnösel sind, die es nicht besser verdient haben. Das kann natürlich sein. Insgesamt scheint mir das aber einerseits zu kompliziert gedacht und andererseits auch ein wenig überteuert.
Bei den freien und Ausnahmezugängen ist es nun aber richtig mit den NYT-Managern durchgegangen. Das sieht ein wenig so aus, als wäre man mit der 20-Seiten-Regel in die Tests gegangen und hätte dann eine Ausnahme nach der anderen hinzugefügt. Das ist ja nicht nur unübersichtlich, sondern auch technisch zumindest eine Herausforderung. Cory Doctorow hat völlig Recht, wenn er befürchtet, dass in Zukunft viele potentielle Kunden der NYT auf abschreckenden Nagpages landen werden und dabei mit Frustration zu kämpfen haben. Nur: mit Frustration verkauft man keine Abos.
Insgesamt glaube ich, ist auch diese zweite Paywall der NYTimes keine gute Idee. Auch nach 14 Monaten Entwicklungszeit ist praktisch nicht Neues dabei herausgekommen. Eine Paywall ist eine Paywall ist eine Paywall. Auch 2011.
Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von striatic.
7 Kommentare
Marc
18.03.2011, 09:48 Uhr
Treffend und vor allem: super witzig!
ben_
18.03.2011, 17:24 Uhr
Das erstaunliche daran: Eigentlich hatte wir ja gehofft, dass die Digitalisierung nicht zuletzt eines bringen würde – eine Weitergabge der unglaublichen Einsparungen an die Kunden. Wenn man jetzt aber für jedes Endgerät wieder absurde Tagessätze an ein Heer von App-Entwicklern bezahlt, wird das halt nichts mit den Einsparungen.
Thomas
19.03.2011, 12:11 Uhr
Also kann man alle Artikel gratis lesen…?
Nico Brünjes
19.03.2011, 14:39 Uhr
Auf der Website heisst es:
Thomas
19.03.2011, 15:49 Uhr
Tja, netter Gedanke, aber warum sollte ich dann, wenn ich kein reicher Schnösel bin, der es nicht besser verdient hat, ein Abo abschließen? ;)
Ich halte jedenfalls gar nich so sehr die Paywall an sich für das Problem, sondern das Abo-Modell -- insbesondere, wenn so eigenartig umgesetzt. Wie du schreibst: Nach 14 Monaten Entwicklungszeit nix Neues…
Nico Brünjes
22.03.2011, 09:49 Uhr
Weitere Artikel dazu: Mondaynote und Daring Fireball.
Nico Brünjes
31.03.2011, 09:16 Uhr
Auch sehr interessant die Frage, wie die NYT es geschafft hat, dafür $40 Mio. auszugeben.