Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Im Westen nichts Neues

Foto einer Mauer

Zum zweiten Mal will die NYT wetten, dass ihre Leser auch im Netz die Brieftasche locker sitzen haben…

Vor über einem Jahr kündigte die New York Times an, ihre Website erneut hinter einer Paywall verschwinden lassen zu wollen. Heute kündigte Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger Jr. in einem Brief an die Leser über digiales Abonnements an, dass der Plan nun in die Tat umgesetzt wird. Kurz zusammengefasst soll das so aussehen:

Man sieht, die NYTimes hat trotz Krise der Zeitungen in den USA (und überall sonstwo) nicht den Humor und auch nicht den Optimismus verloren. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Marktforschungen ergeben haben, dass Leute die gleichzeitig per Smartphone- UND Tablet-App NYT nutzen, allesamt reiche Schnösel sind, die es nicht besser verdient haben. Das kann natürlich sein. Insgesamt scheint mir das aber einerseits zu kompliziert gedacht und andererseits auch ein wenig überteuert.

Bei den freien und Ausnahmezugängen ist es nun aber richtig mit den NYT-Managern durchgegangen. Das sieht ein wenig so aus, als wäre man mit der 20-Seiten-Regel in die Tests gegangen und hätte dann eine Ausnahme nach der anderen hinzugefügt. Das ist ja nicht nur unübersichtlich, sondern auch technisch zumindest eine Herausforderung. Cory Doctorow hat völlig Recht, wenn er befürchtet, dass in Zukunft viele potentielle Kunden der NYT auf abschreckenden Nagpages landen werden und dabei mit Frustration zu kämpfen haben. Nur: mit Frustration verkauft man keine Abos.

Insgesamt glaube ich, ist auch diese zweite Paywall der NYTimes keine gute Idee. Auch nach 14 Monaten Entwicklungszeit ist praktisch nicht Neues dabei herausgekommen. Eine Paywall ist eine Paywall ist eine Paywall. Auch 2011.

7 Kommentare

  1. Man sieht, die NYTimes hat trotz Krise der Zeitungen in den USA (und überall sonstwo) nicht den Humor und auch nicht den Optimismus verloren. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Marktforschungen ergeben haben, dass Leute die gleichzeitig per Smartphone- UND Tablet-App NYT nutzen, allesamt reiche Schnösel sind, die es nicht besser verdient haben.

    Treffend und vor allem: super witzig!

  2. Das erstaunliche daran: Eigentlich hatte wir ja gehofft, dass die Digitalisierung nicht zuletzt eines bringen würde – eine Weitergabge der unglaublichen Einsparungen an die Kunden. Wenn man jetzt aber für jedes Endgerät wieder absurde Tagessätze an ein Heer von App-Entwicklern bezahlt, wird das halt nichts mit den Einsparungen.

  3. Landet man per Link auf NyTimes.com oder kommt von einer Suchmaschine, kann man den jeweiligen Artikel auch gratis lesen.

    Also kann man alle Artikel gratis lesen…?

  4. Auf der Website heisst es:

    12. Can I still access NYTimes.com articles through Facebook, Twitter, search engines or my blog?

    Yes. We encourage links from Facebook, Twitter, search engines, blogs and social media. When you visit NYTimes.com through a link from one of these channels, that article (or video, slide show, etc.) will count toward your monthly limit of 20 free articles, but you will still be able to view it even if you’ve already read your 20 free articles.

    When you visit NYTimes.com by clicking links in search results, you’ll have a daily limit of 5 free articles. This limit applies to the majority of search engines.

  5. Tja, netter Gedanke, aber warum sollte ich dann, wenn ich kein reicher Schnösel bin, der es nicht besser verdient hat, ein Abo abschließen? ;)

    Ich halte jedenfalls gar nich so sehr die Paywall an sich für das Problem, sondern das Abo-Modell -- insbesondere, wenn so eigenartig umgesetzt. Wie du schreibst: Nach 14 Monaten Entwicklungszeit nix Neues…

  6. Weitere Artikel dazu: Mondaynote und Daring Fireball.