Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

15 Platten

Einmal im Jahr zwinge ich mich, an einem Meme teilzunehmen, einfach auch um ein wenig die Blogberechtigung zu behalten. Einen schönen, von dem ich schwören könnte, schon mal dabei gewesen zu sein, gibt’s derzeit von hier: stelle Deine 15 Lieblingsplatten vor. Na gut, ich hoffe alle haben ein wenig Zeit mitgebracht, nicht nach Beliebtheit geordnet sind das:

Heiko Laux – The Oldschool Street (i220 Rec., 1998)

CoverTechno kommt aus Detroit, Minimaltechno sowieso, beide sind aber zu gleichen Teilen nach Köln und Berlin ausgewandert. Denkt man so, stimmt aber nicht. Denn mein Lieblingsalbum in Sachen Techno kommt aus dem Kanzleramt in Bad Nauheim (auch wenn die Scheibe selbst bei i220 erschien). Heiko Laux präsentiert den bestproduzierten deutschen Techno der 90er Jahre und zusammen mit beispielsweise Johannes Heil und Anthony Rother hat er eine elektronische Musik verfasst, die sich gänzlich mit meinen Bedürfnissen bis heute deckt: je nach Einstellung des Lautstärkereglers sind es verträumte Hörerlebnisse oder unglaubliche Tanzmonster. Und dabei so abwechslungsreich, dass man alle Titel als Set einfach hintereinander spielen könnte um 50 Min. Glück zu versprühen. Bester Titel: »C1 (Untitled)«.

Steve Bug – Volksworld (Raw Elements, 1997)

CoverHamburg war für uns früher das gelobte Land des DJings. “Der ist nach Hamburg gegangen”, war ein Standardsatz, wenn wieder einer sein Glück versuchte, in der großen Stadt genauso erfolgreich zu sein, wie in der Dorfdisco. So zog als einer der ersten Stefan Brügesch aka. Steve Bug in die große Stadt und mein Gott, er hatte Erfolg. Herrjeh. Und Volksworld für mich das Album dazu. Noch aus der frühen Phase, vor Pokerflat, deep und knarzig gleichzeitig, ehrlich und irgendwie immer noch neu. Das war die Musik die ich auflegen wollte. Und aufgelegt habe. Nur nach Hamburg bin ich damit nicht gekommen. Das haben dafür andere geschafft. Bester Titel: »Drives Me Up The Wall«.

Quantic – The 5th Exotic (Tru Thoughts, 2001)

CoverWhy am I here and where am I going, ist die zentrale Frage, um die es auf “The 5th Exotic” geht und das ist gleichzeitig eine der zentralen Fragen, die ich für mich immer noch zu klären versuche. Quantic macht sonst sehr latinoeske und jazzige Sachen, auf dieser Scheibe geht es aber streng elektronisch zu. Dafür die lieblichste und weichste Elektronik, die man zusammenmixen kann. Musik die traurig macht, aber auch Zuversicht verbreitet, alles andere jedenfalls als dahinplätschernd wäre. Bester Song: »Infinite Regression«.

Nightmares On Wax – Carboot Soul (Warp Rec., 1999)

CoverVon George Evelyn und Kevin Harper könnte ich mal jedes Album hier auflisten, die nightmares sind einfach mein absoluter Lieblingsact. Carboot Soul ist dabei schon eins der späteren Werke, ganz oben auf der Downbeat-Welle und so dermaßen weich und warm, dass habe ich mit 35 noch zum Einschlafen gehört. Bester Track übrigens meiner Meinung nach »Argha Noah«.

Etienne De Crécy – Super Discount (Solid Disques, 1997)

CoverÜber diese Scheibe gibt es einen eigenen Eintrag hier im Blog, was schon einiges aussagt. Wer den nicht liest ist doof.

Mr. Scruff – Keep It Unreal (Ninja Tune, 1999)

CoverMr. Scruff from Manchester, listen and repeat: Maaanch’st’r, DJ, Musiker, Kunstverleger und Zeichner, dessen einziger Hit »Get A Move On« es bis in diverse Werbespots schaffte, was für einen Ninja-Tune-Act schon eine krasse Nummer ist, war wohl eher ein Versehen, denn normalerweise trägt Mr. Scruff Geschichten von Fischen, Walfischen und anderen Bewohnern des Meeresbodens in shanty-choresker Weise vor und das nicht mal schlecht, nein, lustig ist das, und seine Alben sind wie dieser Satz, genauso unendlich wie stakkatohaft, wie der beste Track »Shanty Town«.

Kruder und Dorfmeister – DJ Kicks (Studio !K7, 1996)

CoverWenn man in den 90ern in einem Plattenladen gearbeitet hat, dann traf man dort immer wieder die Handelsvertreter der Plattenfirmen, die einem Woche-ein-Woche-aus regelmäßig die tollsten Hits, den neuesten Stuff und das beste Album des Jahres, ach was Jahrhunderts zu verkaufen suchten. Wenn man sich die Machwerke dann anhörte, stumpfte man mit der Zeit gegen derlei Versprechen ab. Als ich das erste Mal Kruder & Dorfmeister so präsentiert bekam, wusste ich allerdings, dass es diesmal stimmte: die Jahrhundertplatte. Dabei schafften die beiden Wiener nur ans Licht, was im Untergrund schon ein gutes Jahr in der Gegend herum triphopte und downbeatete, aber das war es eben… welcher Track der beste ist: nicht zu entscheiden.

Björk – Debut (One Little Indian, 1993)

CoverIch war schon Fan der Sugarcubes.

Marillion – Script For A Jesters Tear (EMI, 1983)

CoverHabe ich immer mit dem Walkman beim Radfahren gehört und als wir hatten ja nichts damals Jugendlicher beim Zeitungsaustragen. Sowas hat Folgen, das hätte man früher auch nicht gedacht. Man kann mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf wecken und mir die erste Zeile von sagen wir mal »Market Square Heroes« vorsagen und ich kann den Song, noch komplett schlafend zu Ende singen. Mein Lieblingstrack ist aber »Garden Party« und da ist es umgekehrt, wenn ich das höre, habe ich mit einem Mal Szenen von damals im Kopf. So sind Musik und Erinnerung miteinander verknüpft. Das kann man übrigens noch weiter treiben, so muss ich immer wenn ich Saxon höre, was zum Glück selten passiert, an Johannes-Mario-Simmels »Und Jimmy ging zum Regenbogen« denken, was beweist, dass ich früher nicht nur schlechte Bücher gelesen, sondern gleichzeitig auch noch schlechte Musik gehört habe.

Fields Of The Nephilim – The Nephilim (Rebel Rec., 1988)

CoverDas beste Konzert auf dem ich war. Erst eine irische Saufband, deren Namen ich gleich beim dritten oder vierten Bier wieder vergessen habe und dann, als zweite Vorgruppe wohlgemerkt: Fields. Carl McCoy und Kollegen auf einer komplett vernebelten Bühne. Ich bin bis heute nicht sicher, ob die überhaupt wirklich da waren, wirklich gesehen hat sie jedenfalls keiner. Trotzdem haben sie komplett das house gerockt, den Laden in Grund und Boden gespielt, so richtig abgeliefert. Der Main-Act New Model Army hat dagegen echt blass ausgesehen. Bester Track und für immer und ewig beste Nephilim-Nummer: »Last Exit For The Lost«.

Dead Can Dance – Toward The Within (Rough Trade, 1994)

CoverDead Can Dance sind einfach irgendwie verrückt. Irgendwo zwischen orientalischen Weltmusikrhythmen und Gothicgoa und selbsterfundenen Sprachen lauert aber der Tiefgang, und darin verliere ich mich heute noch regelmäßig. Ich mal viele DCD-Scheiben, aber die Liveaufnahme »Towards The Within« ist mir die liebste, vor allem seitdem ich die unglaubliche DVD dazu gesehen habe. Derwisch, Alter!

Die fantastischen Vier – Lauschgift (Sony, 1995)

CoverAch ja, die Fantas. Haben auf so einer Liste eigentlich auch nicht unbedingt etwas zu suchen, verfolgten mich jedoch in den frühen 90ern über diverse Veranstaltungen und Festivals, so dass ich ihnen nur schwierig entkommen konnte. Die Fantas sind die ersten und letzten Deutsch-Hip-Hopper gleichzeitig für mich.

Red Hot Chili Peppers – Blood Sugar Sex Magik (Warner Bros., 1991)

CoverSchon eine der späteren Scheiben von den Kalifornischen Nacktrockern, obwohl ich sie, bevor sie berühmt wurden, einmal bei einem kleinen Festival gesehen habe, wo sie dann tatsächlich auch nur mit einer Socke bekleidet auftraten. Mit »Blood Sugar Sex Magik« waren sie dann mainstream, »Under The Bridge« eben. Das war mir in diesem Ausnahmefall aber egal.

The Boomtown Rats – The Fine Art Of Surfacing (Columbia, 1979)

CoverMeine erste Platte, geschenkt bekommen am Heiligabend 1979, zusammen mit Boney M.s »Nightflight to Venus« (was auf einen noch nicht ganz entwickelten Musikgeschmack hindeutet) und meinem ersten eigenen Plattenspieler. Den bekam ich wahrscheinlich, weil mein Vater seinen Plattenspieler und vor allem seine Platten für sich behalten wollte (was nicht geklappt hat, denn ich hatte beim Plattensammeln letztendlich den längeren Atem…), denn ich fühlte mich damals schon als DJ. Das »I don’t like Mondays« (Hit und bester Track) einen fürchterlich traurigen Hintergrund hat, wusste ich damals natürlich nicht, und dass Bob Geldof mal etwas wie Live Aid auf die Beine stellen würde, wer hätte das ahnen wollen?

Ton Steine Scherben – Keine Macht Für Niemand (David Volksmund Produktion, 1972)

CoverAls junger Mensch habe ich viel Zeit in Zeltlagern mit dem Absingen von Arbeiterliedern verbracht. Als uns die zu altmodisch wurden, haben wir zu den Songs von Rio Reiser und den Scherben gewechselt. Und irgendwie bin ich dabei geblieben. Heute hört man natürlich lieber die philosophischen Texte, als Brechts Arbeitereinheitsfrontlied, aber man soll seine Vergangenheit nicht verleugnen. Bester Song: »Rauch-Haus-Song« (bei dem man sich immer wieder fragt, was eigentlich aus Berlin geworden ist, in all den Jahren in denen die Hausbesetzer Karriere gemacht haben).

Update: Mein Featurevorschlag für den iA-Writer: eine Touch-Tipp-Fehlerkorrektur.

2 Kommentare

  1. Exzellllllente Auswahl!

  2. Freue mich schon drauf, die Platten durchzuhören :-)