Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

On fire?

Gestern hat Amazon die neuen Kindles (Touch) und den Kindle Fire vorgestellt. Das hat natürlich jeder mitbekommen, der nicht unter einem Stein wohnt, könnte es sich doch um iPad-Konkurrenz handeln. Amazon CEO Jeff Bezos stellte dann aber doch eher einen Kindle für Medien, statt eines iPad-Konkurrenten vor. Trotzdem: anders als Samsung beispielsweise, hat Amazon verstanden, das es um die Inhalte geht und zufällig auch die passenden Inhalte parat. Aus der Amazon-Cloud wird das Gerät stetig mit Büchern, Musik und Videos versorgt. Content is king, yet again. Das macht ihn nicht zu einem iPad-Konkurrenten, aber hebt ihn von der Androidmasse ab, für einen erfolgreichen Start sollte das reichen, vor allem bei dem Kundenstamm, über den Amazon verfügt und dem Preis (ab 199$).

Ob das alles auch für Deutschland zutrifft? Zur Zeit kann man gerade den ganz kleinen Kindle ohne Tastatur für 99 Euronen vorbestellen, VÖ: 12. Oktober. Über den Kindle Fire oder die Kindle Touch schweigt sich die Amanzon.de-Seite jedoch aus. Wer weiss, ob es wieder zwei Jahre dauert, bis man außerhalb der USA das Produkt voll nutzen kann. Gibt es tatsächlich keine internationale Strategie, dürfte das am Ende sicherlich als Fehler herausstellen, das iPad jedenfalls kann man in 64 Ländern kaufen.

Ob es wirklich solange dauern soll, bis wir hier Amazon Silk, den Browser des Kindle Fire testen können? Soweit ich das sehen kann, ein cloudgestützter Webkit-Browser. Das Video macht mir ehrlich gesagt ein wenig Kopfschmerzen:

Das Prinzip ist natürlich genauso einfach wie logisch, nur wer schon einmal Erfahrungen mit der Sorglosigkeit vulgo Dreistheit gemacht hat, mit der bspw. Mobilprovider den Content von Internetseiten für die mobile Auslieferung anpassen, bekommt eine Idee davon, was es heisst, zunächst durch die Amazon-Cloud zu müssen, eh’ das HTML beim Browser ankommt. Kennt man ja auch ähnlich vom mobilen Opera. Man muss sich allerdings die Frage stellen, wozu das gut sein soll: es gibt keinen Fire 3G, sondern nur eine WLAN-Version, eine derartige Optimierung wäre also verzichtbar. Das für den Fire praktisch alles zunächst durch Amazons Server geleitet wird, lässt die Diskussion um Facebooks Timeline wie ein Kindergartengespräch erscheinen, denn Amazon liest alles, absolut alles mit, was am Silk ankommt oder abgeht. Gatekeeper galore.

4 Kommentare

  1. Ja. Den Text von Despinosa auch mit Erschrecken gelesen. Und sofort an Dich gedacht, weil ich die Mobilfunk-Scheiße ja auch mal mitbekommen habe.

    Ich weiß ja nicht … vielleicht werde ich alt … aber ich hab jeden Tag mehr das Gefühl, dem CCC, Foebud oder dem Fiff beitreten zu müssen, mit die Haar zu einem langen dünnen Pferdeschwanz wachsen zu lassen und nur noch mit Debian und Emacs zu arbeiten.

    Ich meine … geht denn alles den Bach runter?

  2. IIRC nutzen unsere lieben ISPs bereits so einen Proxy Cache, da sind wir per TelNo identifiziert.

  3. Das ist doch einfach das Opera-Modell. Ich kann die Aufregung nicht so richtig verstehen: Wo ist da denn der Gatekeeper? Unterstellt ihr, dass Amazon Werbung in die Webseiten einblendet, wenn man etwas kaufen möchte? Oder gar Content blockiert? Amazon hat wenigstens die Bandbreite und die Rechenleistung, damit das gut funktionieren kann und das löst ein echtes Problem (siehe z.B. Ladezeiten auf dem iPad) Und abschalten kann man’s ja auch. Langweilig, alles schon dagewesen und niemand ist gestorben.

    Die interessante Frage ist doch: Ist dieses Fire-Ding Apple-mässig abgeschottet? Darf man Content und Apps aus anderen Quellen beziehen? Vermutlich nein, und das wäre dann das Gatekeeper-Modell und für mich ein absolutes Ausschluskriterium.

    Für Android ist das Gerät auf jeden Fall eine gute Nachricht: Ja, jetzt sagen wieder alle: Blah, das ist kein echtes Android und die Fragmentierung und wie schlimm, Apple hat gewonnen, aber: Wer Apps für Amazons Fire entwickelt, muss die Android-APIs nutzen. Selbst wenn sich die Fire-API von den Standard-APIs in Details unterscheidet, ergibt das doch Apps, die sich sehr leicht für echte Android-Tablets portieren lassen.

  4. @Ingo: Herrlich! “Langweilig, alles schon dagewesen und niemand ist gestorben.” Das zaubert mir doch glatt ein Lächeln auf’s Gesicht am frühen Montagmorgen. Danke!