Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Das Wunderkit

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Gestern abend habe ich mir Wunderkit angesehen, das anderenorts schon als Facebook für Produktivität gefeiert wird. Da bin ich mir gar nicht sicher, ob diese in sich unlogische Bezeichnung nun ein Lob oder Beschimpfung sein soll. Mal schauen…

6Wunderkinder kennt man ja schon von der kostenlosen ToDo-App Wunderlist, die ich durchaus auch genutzt habe, bis ich zu Asana gewechselt bin, ebenfalls ein Online-ToDoList-Tool mit Teamkollaboration. Ich bin also durchaus vorbelastet. Was man schon auf der Wunderkit-Landingpage merkt, setzt sich auch innerhalb der Web-App fort: Wunderkit sieht super aus, ist ordentlich und ansprechend designt, etwas Skeuomorphismus, feine Icons, in der Beziehung hat man glaube ich alles richtig gemacht. Denn, es gibt eigentlich wenig Gründe, warum Produktivität nicht auch mit dem Auge gefälligen Tools erreicht werden kann, der Charme von OpenOffice gehört in das vergangene Jahrzehnt.

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Bleibt die Frage, was man denn nun eigentlich in Wunderkit machen kann. Zunächst mal natürlich: ToDo-Listen führen. Das war zu erwarten und, da bin ich vielleicht ein wenig konservativ, ich würde solche Listen allein noch nicht als Projektmanagement verstehen wollen. Natürlich ist da aber auch noch ein wenig mehr.

Der Nutzer kann in Wunderkit sogenannte Workspaces anlegen. Diese beinhalten eine beliebige Anzahl an ToDo-Listen, einen Abschnitt mit Notizen und ein Dashboard, auf dem der Workspace verwaltet wird und Statusupdates etc. über den aktuellen Workspace geschrieben und angezeigt werden. Diese drei sogenannten Apps stehen also per Workspace zur Verfügung, da können aber in Zukunft noch weitere dazu kommen, dazu später mehr.

Ein Workspace kann als öffentlich oder privat eingestellt werden. Beiden Arten können per Einladung Mitarbeiter hinzugefügt werden. Dies haben gleichberechtigten Zugriff auf die Apps, können Tasks eintragen und verwalten, Notizen schreiben etc., eben kollaborativ miteinander arbeiten. Alle Aktionen können untereinander auch kommentiert werden. Ist der Space aber öffentlich, können andere Wunderkit-Nutzer ihm auch followen, nach dem Twitterprinzip. Diese Follower bekommen dann die öffentlichen Statusupdates des Projektes zu sehen.

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Klingt vielleicht ein wenig kompliziert… ist aber durch die intuitive Oberfläche durchaus zu meistern. Was Wunderkit auf jeden Fall von ähnlichen Produkten wie bspw. Asana abhebt, ist die soziale Komponente. Wird ein User-Break-Even erreicht, kann sicherlich ein kleiner Schmelztiegel für Projektarbeit entstehen: man kann sich über die Arbeit und Projekte anderer informieren, und sich in dieser doch recht professionellen Atmosphäre untereinander kennenlernen. Das kann gut für offene Projekte sein, aber auch ein interessanter Ort für bspw. das Recruiting werden.

Hinzu kommt (und hier mag der Facebook-Vergleich am wenigsten hinken) die offensichtlich Möglichkeit von Wunderkit, in Zukunft einen Entwickler-API anzubieten, womit dann weitere Apps zu den Workspaces hinzugefügt werden könnten. Hier—das ist der unvermeindliche kurze Blick in meine Glaskugel—hat Wunderkit ein Riesenpotential und wie ich die PR der 6Wunderkinder bisher erlebt habe, werden sie eine gute Chance haben, das auch zu nutzen. Und darauf muss dann am ehesten Xing mit Angst schauen…

14 Kommentare

  1. Wenn man meine Erläuterung zu der Bezeichnung „Facebook für Produktivität“ betrachtet, erscheint der Vergleich imo gar nicht unlogisch.

    „…dass Wunderkit für Produktivität und Organisation das wird, was Facebook für die sozialen Vernetzungen ist.“

    Solche Analogien sollte man einfach nicht zu wörtlich nehmen sondern abstrahierend betrachten. ;)

  2. Hehe, aber einen schönen Ansatz zum auf die Schippe nehmen ist ja allemal. ;)

  3. So eine Holzwand hatten meine Eltern im Wohnzimmer. Also nichts gegen meine Eltern und meine Jugenderinnerungen, etc. aber: Das tut ja wirklich in den Augen weh. Dagegen ist das Leder in Apples Adressbuch kuschelig.

  4. Zugegeben, das mit den Holzhintergründen ist so eine Sache. Ich habe mich wohl irgendwie dran gewöhnt, sieht man ja überall im Moment…

  5. Wenn ich schon „followen“ lese, bin ich sofort raus.
    Wenn nich noch irgendwo jemanden followen soll, lade ich meine AK47 mit Leuchtspurmunition … der kann man dann followen.

  6. Wahnsinn. Was Ben sagt.
    Das sieht schlimmer aus als das Schlafzimmer meiner Urgroßeltern.
    Entweder ich werde langsam irre -- oder ihr.

  7. Kinners! Nun lasst Euch mal von der ollen Holzvertäfelung mal nicht abschrecken, Funktion zählt. ;)

  8. Wenn du den Kommentatoren, die das Aussehen (die Holzvertäfelung) kritisieren schreibts, dass die Funktion zählt, warum schreibst du dann vorher: „… es gibt eigentlich wenig Gründe, warum Produktivität nicht auch mit dem Auge gefälligen Tools erreicht werden kann, der Charme von OpenOffice gehört in das vergangene Jahrzehnt.“ Was dem Auge gefällt ist eben subjektiv.

    Vielleicht wird 6Wunderkinder (eines Tages) die Funktion anbieten eigene Hintergründe einzubinden oder bietet sogar eigene an?

  9. @Sascha: da hast Du mich aber mißverstanden. Genau das meine ich ja auch. Die Jungs feixen hier rum, weil ich mich gewöhnlich ablehnend gegen Skeuomorphismen äußere, die Holzwand aber ganz schnieke fand.

    Aber ich hatte ja auch keine Großeltern mit Eicherustikal-Vergangenheit. ;)

    Natürlich gibt es über Wunderkit interessantere Dinge zu diskutieren, als die Tapete. Zum Beipsiel: ich habe einen Workspace zu diesem Blog dort eröffnet, auf dem ich (mehr oder weniger öffentlich) die weiteren Planungen für Artikel und Design etc. plane…

  10. Vielen Dank für den Review Nico! Bezüglich dem Holzhintergrund, wir haben natürlich verschiedene Hintergründe im Produkt, und auch die Möglichkeit eigene hochzuladen, leider hat es der Backgroundpicker noch nicht in die Closed Beta geschafft ;)

    http://wunderli.st/3y1y1Z2w343Y1o2C0N1i

  11. Und nochmal an Ben, wg. Followerprinzip:

  12. Super, eine Holzwand reist es aus … ok, die Optik und die Grundideen sind super. Und es ist ja erstmal eine Beta. Da kann ja noch was kommen. In unserem Team gehen aber auch viele Dateien rum. Die will ich da auch vernünftig mit Versionen, Volltextsuche etc drin haben. Hab ich das irgendwie im W-kit nicht gefunden? Mal schauen, was das wird. Momentan gibt es ja Tonnen Neugründungen für Dateilastige Projekte, z.B. smarchive, doo, fileee, amagno, box.net, projectplace. Wobei die ersten eher noch „Ankündigungen“ mit viel Risikokapital sind :) Da ist w-kit ja immerhin schon mal einen Schritt weiter, als eine leere Seite mit einer Beta-Anmeldung :) Ich warte gespannt, was da noch kommt. Noch kann ich’s nicht gebrauchen.

  13. @Nico und Brian: Ts. Was soll ich denn davon halten.

    Ich habe mir überigens mal von einem Antiqitäten- und Möbelhändler sagen lassen, dass der Stil in Fachkreise „Eiche brutal“ genannt wird. ;]

  14. Gelsenkirchener Barock, mithin.

4 Pings

  1. […] pas hinwegsehen lässt. Auch wenn die Meinungen über das ambitionierte Vorhaben der 6Wunderkinder auseinandergehen, sieht es derzeit danach aus, als hält sich die Zahl der wirklich nachtragenden Nutzer in Grenzen. […]

  2. […] ähnlich ging es mir, als ich Nicos Artikel über das Wunderkit gelesen habe. Die Vorstellung, dass dort noch eine App darauf lauert, meinen Arbeitsalltag mit […]

  3. […] kurz, das hier schon ausgiebig besprochene Wunderkit ist in beliebiger […]