Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Nichts zu verpassen

Verpassen kann man viele Dinge. Den Zug beispielsweise, eine Art Verpassen, die mich immer sehr schwer trifft. Oder den Anschluss, wieder eine Formulierung aus dem Fahrplandeutsch, die aber trotzdem inzwischen etwas anderes bedeutet.

Den Anschluss zu verpassen, in seiner heutigen Bedeutung, kann je nach Fall mehr oder weniger schwerwiegend sein. Wenn man zum Beispiel in Sachen Computerspiele den Anschluss verliert, auf seiner alten 360 immer noch als Niko Bellic durch die Nacht zieht und Tauben abschiesst, anstatt bei Minecraft virtuelle Bauernhöfe zu bauen, dann ist das wenig schwerwiegend. Mithin kann man behaupten: da habe ich nichts verpasst.

Ist man allerdings im Internetbusiness tätig, kann es sehr wichtig sein, den Anschluss nicht zu verpassen. Dabei muss man ja nicht alles mitmachen. Bloss weil man ein Auge auf Facebook, Instagram oder Pinterest hat, muss man ja noch lange keine Nacktfotos dort einstellen, oder sein Blog dahin verlegen. Professionelle Distanz darf bestehen bleiben, dann verpasst man nichts, auch nicht den Anschluss.

13 Kommentare

  1. Oh. Ja. Naja. Da bin ich überaschenderweise nicht ganz Deiner Meinung. Ich übe die Geschäftsführung aus. Bin defakto auch Teamleiter. Kümmere mich um den Unternehmensnachwuchs. Bin Verkäufer des Unternehmen und Entwicklungsleiter. Ich baue kleine Redaktionssystem und große. Ich beschäftige mich intensiv mit den APIs mehrerer Open Source Systeme und arbeite mich gerade sogar immer weiter in Jquery ein. Ich lerne sogar immer noch mehr Kram über Linux. Ich interessiere mich für dezentrale Technologien, beobachte interessiert die Blogsphäre und bin auf dem Besten Wege Tumblr-Junkie zu werden. Ich finde … das ist ganz okes Spektrum. Um Facebook können sich andere (in meiner Firma) kümmern. Arbeitsteilung und so.

    Mein Punkt aber ging eigentlich in eine ganz andere Richtung: Aus der Blogsphäre hört man über diesen oder jenen Weg immerhin noch von dem einem oder anderen Artikel, der irgendwie “wichtig” oder “sehr gut” war. Und von vielen anderen Dingen, die in der Welt passieren bekomme ich ja auch etwas mit, ohne dass ich eine Tageszeitung kaufen würde. Diese Dinge werden mir “irgendwie” zugetragen.

    Aber, wenn man nicht bei Facebook ist, ist Facebook ein schwarzes Loch. Nichts dringt von dort nach Außen, nichts zu mir. Das fand ich als Beobachtung schon bemerkenswert.

  2. Es kommt halt auf das persönliche Interesse an. In Sachen Videospielen und Web-Entwicklung gucke ich mir so viel es geht auf einer möglichst breiten Ebene an. Und entscheide dann, was ich persönliche befürworte (WordPress, HTML5, ADB, RD oder eben XBOX360, GTA4) oder eben nicht so toll finde (Typo3, Java und PS3, Minecraft). Ich werde schon unruhig, wenn ich bei diesen Themen das Gefühl habe, dass ich etwas verpasst habe. Meistens hilft es mir besonders, wenn ich über diese Themen mit jmd. in den Diskurs gehe.

    So lange man sich aber für die persönlichen Hauptthemen etwas Zeit nimmt, sich die Dinge wenigstens so weit anzusehen, dass man sich eine eigene Meinung bilden konnte, ist doch alles ok.

    Man muss sich nur vor dem Dunning-Kruger-Effekt in Acht nehmen. Das gilt besonders für mich. =)

    Wenn man zum Beispiel in Sachen Computerspiele den Anschluss verliert, auf seiner alten 360 immer noch als Niko Bellic durch die Nacht zieht und Tauben abschiesst, anstatt bei Minecraft virtuelle Bauernhöfe zu bauen, dann ist das wenig schwerwiegend. Mithin kann man behaupten: da habe ich nichts verpasst.

    Also hier müssen wir ja hoffentlich nicht diskutieren, oder? ;-) Minecraft ist Farmville im Jahre 2011 gewesen. Mal gucken was diesen Platz dieses Jahr einnimmt. =)

  3. @ben_ da ist es gerade, Du stellst Dich in gewisser Weise taub:

    Aber, wenn man nicht bei Facebook ist, ist Facebook ein schwarzes Loch. Nichts dringt von dort nach Außen, nichts zu mir. Das fand ich als Beobachtung schon bemerkenswert.

    Das mag schon sein, aber dann ist der Fehler eben, nicht bei Facebook zu sein und sei es nur zum Lauschen. Es hat faktisch ein shift stattgefunden, so wie damals als wir Blogs entdeckten. Netz läuft derzeit eben auch auf diesen Plattformen und man verpasst eben doch etwas. Das man nichts verpasst, wenn man es nicht merkt, ist eben Deine These gewesen (macht eigentlich ein fallender Baum ein Geräusch, wenn es keiner hört?) und die ist leider falsch. Man verpasst eben doch etwas, allein fehlt einem das Gefühl es zu tun.

    Wie kannst Du Redaktionssysteme bauen, die die Nutzer nicht dazu befähigen, auf mehr als dem einen Kanal Informationen zu verbreiten? Und wie kann man Webseiten bauen wollen, die deren Herausgeber nicht dazu befähigen, auf allen möglichen Kanälen Feedback zu empfangen?

    Und es gibt einen Unterschied zwischen Forum und Wiki für Redaktionen empfehlen und Twitter oder Facebook. Die letzteren sind ein Riesenerfolg mit mehr Usern als man sich jemals vorstellen konnte. Das muss man nicht gut finden. Da kann man dagegen sein. Und seiner Verantwortung muss man sich auch bewusst sein.

    Aber man darf es auch nicht verpassen.

  4. Ich “verpasse” so viel, weil ich nicht segle, Yoga mache, auf Facebook aktiv bin, Dark Souls spiele, jedes Wochenende mit Freunden saufe, bei den Zeugen Jehovas bin…

    Das interessiert mich aber gar nicht. Geht weg mit eurer Freizeit-Diktatur.

    Das Leben ist kurz und natürlich verpasst man nur einen verschwindend kleinen Bruchteil aller möglichen Erkenntnisse, Erlebnisse und Dinge nicht.

  5. “Und wie kann man Webseiten bauen wollen, die deren Herausgeber nicht dazu befähigen, auf allen möglichen Kanälen Feedback zu empfangen?”

    Aaaalso:

    Erstens. Um gleich spitzfindig zu werden: Das kann keiner … bzw. das machen alle. Jedes CMS unterstützt von sich aus immer nur eine definierte und kleine Reihe von Kanälen. Wenn ein Kunde mehr will, dann bauen wir ihm das. Punkt. Ich habe auch keine fertige Lösung für Epup-Veröffentlichung in der Schublade, hab ich bisher sogar nur am Rande damit beschäftigt. Aber wenn ein Kunde das will, bin ich sicher, können wir ihm das bauen. Und bei machen Anforderungen sagen wir sogar “Tut uns leid, da sind wir die falschen.”

    Für Facebook gilt das nicht, denn … wie gesagt ist meine persönliche Einstellung und mein persönliches Spektrum ja nicht die/das des Unternehmens. Wenn ein Kunde kommt und Facebook haben will, dann macht das eben einer der weit fähigeren Kollegen, der mit Facebook gut um kann. Du schaust Dir ja schließlich auch nicht an, was in der Linux-Kernel-Entwickler passiert (nehme ich jetzt mal an), obschon es für Deine Arbeit ja doch fundamental wichtig ist. Du überläßt das halt anderen.

    Mal aus der Realität: Von dem guten Dutzend Projekten die wir seit August gemacht haben, hat genau eines den Wunsch gehabt, was mit Facebook zu machen. Und der Wunsch des Kunden war ebenso präzise wie einfach: RSS-Feed reinpumpen. Alles andere sei vergeudete Zeit. Sagt der Kunde. Nicht ich. Alle anderen Projekte hatten nicht einen Hauch Facebook/Twitter.

    Und … aber … ich muss da nochmal drauf zurück kommen: Das ist immer noch nicht mein Punkt!

    Mein Punkt ist, dass Facebook latürnicht und unzweifelhaft eine beeindruckende Relevanz hat. Bloody Hell, ich kann ja kaum mehr U-Bahn fahren ohne ein Gespräch der Art “Auf Facebook …” mitzuhören! Facebook ist im Leben der ganzen Bundesrepublik angekommen scheint es mir und es ist dort jeden Tag, bei jedem. Was mich daran zutiefst verblüfft ist halt, dass von dort, von diesen Milliarden Klicks von diesen Unmengen von Texten, Bilder und was auch immer die Leute da machen mögen, außer der Guttenberg-Group, Facebook-Parties und Farmville Nichts, aber auch gar nichts zu mir gedrungen ist, an das ich mich erinnern könnte.

    Ich weiß, die Argumentation hätte man vor 5 Jahren problemlos auch über Blogs führen können, man kann es vermutlich immer noch. Und ja, ich weiß, meine persönliche Argumentation pro Blogs lautet ja immer auch, dass es eben eine Art privater öffentlicher Raum ist, eine Art digitaler Garten, eine Art mitlesbares inneres Exil. Es liegt in der Natur dieser Dinge, dass dort nichts geschieht, was von allgemeiner Bedeutung ist. Aber zu einen hatten Blogs nie der gesamt-gesellschaftliche Reichweite, die Facebook jetzt hat. Und zum anderen haben sich Blogs das oft genug als Vorwurf anhören müssen und sich selbst gemacht, nur Blogger und Blogaffine zu erreichen und eben nicht weiter.

    Es scheint mir da eine Diskrepanz zu geben zwischen dem was bei Facebook zählbar und messber passiert und dem, was es bedeutet, welche Auswirkung es hat.

  6. @Ingo Wir nennen es Arbeit. ;)

  7. OK, für Dich gibt es also einen dienstlichen Grund, z.B. Instagram zu nutzen. Ich hätte da wahrscheinlich ein Argumentationsproblem… ;-)

  8. Naja, ich kann mir dafür nicht den Schreibtisch mit den neuesten und heissesten Smartphones vollmachen. :D

  9. Ich bin für Nico!

  10. Ich auch. ;)

  11. Nico FTW!

  12. Naja, ich kann mir dafür nicht den Schreibtisch mit den neuesten und heissesten Smartphones vollmachen. :D

    Der war gut. =) Trotzdem muss man Dark Souls gespielt haben. ;-)

  13. Es gibt ja hin und wieder diese Tweets der Sorte “Ich habe gerade ein #Butterbrot gegessen. Ich denke, das solltet ihr wissen.”

    Was genau das oder ob das überhaupt etwas mit dem hier und andernorts besprochenen ‘Komplex’ zu tun hat und warum ich Twitter für solche Tweets liebe, das überlasse ich der Interpretation jedes Einzelnen.