Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Weitere Verluste an der RSS-Front?

Ob es einfach nur in der Betaversion fehlt oder wirklich gestrichen wurde ist mir noch nicht ganz klar, aber weder Mail noch Safari in Mountain Lion beherrschen derzeit RSS. Das ist für RSS-Profis zwar kein Verlust, könnte aber trotzdem ein weiteres schlechtes Zeichen sein, sozusagen der weitere Wegfall des Themas RSS im mainstream.

16 Kommentare

  1. Ich glaube RSS war im Mainstream noch nie ein wirkliches Thema. Von daher ist es kein großer Verlust. Vor allem, dass es nicht mehr in Mail eingebaut ist, hat das wirklich wer in Mail benutzt?

    Der Wegfall aus Safari ist da schon schwerwiegender, da so für einige der einzige Berührungspunkt zu RSS (das Icon in der Adresszeile) wegfällt. Aber ich glaube auch hier nicht, dass dieses Symbol irgendwem der nicht eh weiß wie er an einen Feed heran kommt etwas gesagt oder interessiert hätte.

    Der Schritt von Apple ist daher irgendwie nachvollziehbar, sie wollen keine Features, die eh niemand nutzt.

    Der eigentliche Verlust an der RSS-Front ist meiner Meinung nach, dass es von viel zu wenigen Seiten dem Mainstream in nutzbarer Weise verkauft wird.

  2. Ich habe nie verstanden, welchen (pragmatischen) Zweck RSS erfüllt und denke, RSS war schon immer einer Randgruppe einer Randgruppe -- nämlich den Leuten, die gerne “27″ Nachrichten auf einmal lesen und technik-affin genug sind, um mit RSS klarzukommen -- vorbehalten.

    Der theoretische Zweck als Aggregator ist klar …
    - aber dafür gibt es immer mehr angepasste Algorithmen (Verweis auf Google),
    - an die Stelle von RSS treten immer beliebtere, praktischere und spezialisiertere Medien (wie FB, Twitter, G+) und
    - es gibt auch etliche Beispiele für Projekte, die sich dem “aggregieren” im Speziellen angenommen haben und daran kläglich gescheitert sind bzw. gerade scheitern (wie GoogleBuzz, delicious.us).

    Aber spannend zu sehen, dass -- mutmaßlich! -- Browserhersteller ihre Software in den letzten paar Jahren auf weit über 100 MB aufgebläht haben (durch neue Rendering-Engines, besseres CSS, bessere Frontends, Grafik-Beschleunigung, Webfont-Unterstützung, Audio-/Video-Codecs, …) und jetzt sparen möchten, indem sie die ~ 100 KB für RSS sparen …

  3. Eigentlich nur ein weiterer logischer Schritt von Apple, um alles möglichst einfach und verständlich zu halten. RSS hat sich im Mainstream nie durchgesetzt -- und trotzdem werde ich den Button in der Adressleiste vermissen …

    Facebook, Twitter und Co. können meiner Meinung nach einen RSS-Feed nunmal nicht vernünftig ersetzen.

  4. Vielleicht hat man sich das ja auch bei iOs abgeschaut. Da gibt es den RSS-Button ja auch nicht.

    Ansonsten hat sich der RSS-Button bei mir auch erst als nützlich erwiesen, nachdem ich eine Erweiterung installiert hatte, die mich automatisch zum Google Reader weiterleitete. Oder wie habt ihr diesen Button sonst genutzt?

  5. Ich denke auch, dass RSS von Twitter und ganz besonders Facebook abgelöst wurde. Auch wenn ich das persönlich schade finde.

  6. Jaja, schon gut. Ich bin halt was RSS angeht ein wenig nostalgisch veranlagt. Trotzdem, fände ich es durch Twitter oder gar Facebook schlecht ersetzt. Na gut, Twitter nutze ich noch zusätzlich, aber das Gros der Informationen ziehe ich immer noch aus meinen Feeds.

    Facebook ist da für mich qualitativ untauglich. Ich schreibe ja kein Blog über GNTM oder das Dschungelcamp…

  7. RSS wurde und wird auch nicht vom Normalsurfer benutzt werden. Das Prinzip dahinter ist einem auch nicht klar. RSS ist aber für Newsreader und auch für Podcasts essentiell und weiterhin wichtig – und deshalb noch lange nicht tot. Doch während man Feed in einen Newsreader, iTunes oder in eine App reinpumpt, benötigt es gar keine RSS-Funktion in Mail oder Safari.

  8. RSS … ein schönes Beispiel dafür, dass hier im Netz, hier in den Computern Sachen kaputt sind, selbst, wenn sie für uns Nerd und Geeks funktionieren. Ich würde sogar nich weiter gehen als Marc und sagen, dass das Versagen von RSS, die mieserable Umsetzung, und die ganz allgemeine Katastrophe, die RSS nun mal ist, überhaupt erst den Erfolg von Diensten wie Twitter und Facebook ermöglicht hat. Hier haben wir versagt. Hätten wir RSS vorher repariert, oder gar gleich von Anfang an richtig gemacht, hätten wir heute vermutlich kein Scheißfacebook.

  9. @ben_: Was ist an RSS oder Atom denn kaputt?

  10. @ben_ …und worin lag denn unser Versagen, so ganz genau?

  11. Ich habe mal versucht, meinem Mitbewohner, der Architekt ist zu erklären, was RSS ist und wie es funktioniert, und was er tun muss, muss es selber aktiv zu nutzen, also bspw. neue Feed hinzufügen und so. Das hat einen ganzen Abend gedauert. Mehrere Stunden und geduldige Erläuterungen und eine ganze Menagerie an Metaphern …

    Es fängt ja schon bei den Namen an. Dass es RSS und Atom gibt, ist völlig krank und für Laien nicht mit denken zu rechtferitgen. Im web ist es nichtmal einheitlich erkennbar. Mal ist iiiiirgendwo auf der Seite in oranges Icon, mal steht das XML-Feed, mal RSS, mal Atom, mal Feed. In einem Browser gibt es dafür einen eigenen Button, in nächsten nicht. Und wenn man da draufklickt bekommt man in der Regel rohes XML zu sehen. Da denkt der normale User, er hätte was kaputt gemacht. Und womit, mit Recht!

    I could go on …

    Wir hätten uns dafür einsetzen können all diese Problem früher zu beheben. Überhaupt zu beheben. Haben wir aber nicht gemacht. Wir haben uns reingewuselt, irgendwann verstanden wie’s geht und seither begnügen wir uns mit unseren Workarounds. Und so haben wir Twitter und Facebook den Weg geebnet. Followen versteht jeder. Die eigene Facebooktimeline braucht man nichtmal verstehen. Die ist einfach da. Darin liegt unser Versagen.

  12. @ben_: Ich war geneigt, Nicos Frage so zu beantworten wie du. Auch ich habe schon versucht, (ziemlich schlauen, aber wenig netzaffinen) Menschen in RSS zu unterrichten und exakt deine Erfahrungen gemacht. Doch Nicos Frage, worin unser Versagen liegt, ist mit dieser Zustandsbeschreibung nicht beantwortet. Bei wem hätten wir uns dafür einsetzen sollen? Bei der Kanzlerin? Bei der Bild, die einen (Open-Source- natürlich) Volks-RSS-Reader hätte anbieten sollen? Beim W3C, das einen attraktiveren Namen findet, Browserherstellern vorschreibt, wie damit umzugehen ist und Blogbetreibern verbietet, -Logos zu gestalten, die ihnen besser gefallen? Das Problem mit solchen Standards ist, daß sie offen sind und jeder damit umgehen kann, wie er will — was man ja eigentlich auch will. Dem gegenüber hat ein Mark Zuckerberg, der bestimmen kann, wie’s gemacht wird, schon einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil.

  13. twitter / facebook / g+ nutzen alle rss und werden diesen service auch in zukunft nicht ihren usern vorenthalten.
    rss geht halt tiefer in die materie des netzes und ist einer der wichtigstens bestandteile gewesen oder ist es immer noch um nachrichten unabhängig zu verteilen. bei twitter fb und co. sind wir abhängig. also wenn es einigen vorkommen sollte das rss nie angekommen sei.. zeigt das er/sie auch noch nicht angekommen ist.

    das der eine oder andere browser dies nicht mehr integriert ist dabei eher uninteressant. der user wird was neues finden ;)

  14. @Thomas: Naja … da gilt im Grunde die gleiche Regel, die für alle Formen der gesellschaftlichen Gestelatung gilt: Partizipieren, engagieren, aktiv gestalten. Für RSS, hätte man sich ja problem für einen einheitlichen Namen (oder auch nur für einen einheitlichen Standard, hehe) einsetzen können. Man hätte für den Firefox ein bessers Plugin bauen können, oder einen Webservice, oder eine Software wie WordPress … oder, oder, oder, alles was Zuckerberg konnte, hätten wir auch gekommt. Wir war ja schon vor Facebook da. Aber wir haben es nicht gemacht. DAS ist unter Versagen.

  15. @ben_: Tja, da kommen wir wohl nicht zusammen. Meine These ist ja, daß man (wer nur?) sich wahrscheinlich eh nicht auf eine Vereinheitlichung einigen will (alleine schon die vielen “Oders” sind ein Indiz dafür) Und selbst wenn: Zuckerberg konnte das halt besser, nein: er musste sich mit keinem einigen, weil er alleine entscheiden konnte. Ein geradezu evolutionärer Vorteil. Aber die Offenheit von RSS bringt ja auch ein paar evolutionäre Vorteile mit sich, die sich möglicherweise langfristig auswirken :)

  16. Vollste Übereinstimmung! Ja, ich habe 124 Feeds in meinen Reader, aber es ist einfach total nicht intuitiv.
    Um 2006 gab es, damals noch auf PC, kaum Reader, obwohl die coolen Webseiten die Hälfte ihrer Sidebars mit :

    jetzt RSS 1.0/ Atom/ Nuklear abonnieren, so gehts : ….

    verschandeten. Meistens wurde auf das gleiche Firefox Addon (kann sich noch jemand an Namen erinnern? ) hingewiesen oder auf eklige Windows Software, die auch so aussah! Da schaue ich lieber bei ALLEN Webseiten einzeln vorbei, bevor ich sowas öffne :D

    Und das FF Addon hat bei jedem Refresh meinen PC zum Aussetzen gebracht. RSS was schon immer für den Profi. Google Reader hat dem bisschen Abhilfe geschaffen, aber wer kennt schon die ganzen google Dienste? Den meisten ist nur die Startseite bekannt und über eine web.de Adresse sind sie nie hinaus gekommen. Auf solchen Portalen (spiegel, web.de, bild.de) beziehen die meisten auch ihre News.
    Mit Facebook kann man idiotensicher Seiten und Pages mögen und man hat automatisch einen aggregierten Newsfeed auf seiner Pinwannd -> idiotensicher!