Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Don’t panic

Da fährt morgens so ein Typ im Zug mit, der Kaffee und Brötchen vertickt; der Typ, nennen wir ihn mal Kaffeefritze, ist etwas laut und unangenehm, beschränkt sich mit seinen marktschreierischen Verkaufsmethoden jedoch auf den mittleren Teil des Zuges. Wodurch man seine Ruhe hat, wenn man bspw. ganz hinten einsteigt. Ich wette mindestens 40% der Leute, die hier im Abteil sitzen, wählen diesen Platz unter anderem, um dem Gegröle von »Kaffee, schwarz wie meine Seele« zu entfliehen. Ich mache das jedenfalls so.

Nun passiert allerdings regelmäßig folgendes: an Station X steigt dieser Typ ein, älterer Geschäftsmann in Trenchcoat und mit einem abgewetzten Lederaktenkoffer im Gepäck. Er fährt nicht jeden Morgen mit mir im Abteil, aber wenn er zusteigt, kommt nur Momente später unser Kaffeefritze ins Abteil gepoltert, mit einem, Sensation: Kaffee für den erwähnten Herrn. Dabei lässt Fritze nicht aus, laut zu artikulieren, dass er hier hinten sonst ja nicht bedient und ja nur für den einen Superstammkunden hierher kommt.

Dem scheint die Sache irgendwie peinlich zu sein. Ist ja auch kein Wunder: er wird praktisch jeden Tag zu Fahrtbeginn an die Öffentlichkeit gezerrt, da ihm Fritze nicht nur exklusiv das Heissgetränk reicht, sondern auch gleich ein gesteltzt lockeres, aber vor allem lautes Gespräch aufgezwingt, auf das er dann höchst einsilbig reagiert. Andererseits gibt er reichlich Trinkgeld, was vermuten lassen könnte, er genieße diese montypythoneske Szenerie.

Richtig lustig wird es natürlich, wenn nun einer der anderen Fahrgäste—eher Touristen als Pendler—nun auch einen Kaffee bestellen will. Dann versucht sich Fritze natürlich heraus zu reden, sein Kaffeewagen stünde ja soweit weg und er würde ja auch immer nur für diesen einen speziellen Kunden hierherkommen… je nach Lage und Kunde nimmt er dann aber doch die Bestellung früher oder später auf.

Man fragt sich beizeiten, ob die Herren nicht in ihren Gewohnheiten feststecken, eine Kommunikationsebene, in der einer der beiden sagt: »du, ich will jetzt gar keinen Kaffee mehr«, oder »danke fürs Trinkgeld, aber steigen sie doch wie die anderen vorne ein, wenn sie Kaffee wollen« scheint es nicht zu geben. Mir ist aber auch nicht ganz klar, wie es zu der Kaffeeabsprache gekommen ist, vielleicht hat ja der Typ dem Kaffeefritzen das Leben gerettet und der hat sich dann verpflichtet, für alle Zeiten Kaffee zu servieren, oder so.

Oder ich bin es, der in einer lostmäßigen Zeitschleife festhängt. Dafür würden auch die immer gleichen Durchsagen hier im Zug sprechen und die sich täglich wiederholenden Szenen. Zum Glück habe ich immer mein Handtuch dabei…

3 Kommentare

  1. Ob beabsichtigt oder nicht: Hervorragende Titelwahl, wo doch in diesen Tagen alle über Panic’s Coda sprechen.

    Viel Spaß bei den nächsten Zugfahrten. Mögen es noch sehr viele werden.

  2. Schöner Beitrag! Fällt sicherlich in die Kategorie »Kommirnichmitkation«.

  3. Ich kann mich Dirk nur anschließen: toller Beitrag!