Hier habe ich einige Nutzer gefunden, die sich die Mühe gemacht haben, das Webdesign von zeit.de nach ihrem gutdünken zu verändern und die Styles zur Verfügung zu stellen (zugegeben, mit teilweise etwas haarsträubenden Ergebnissen, aber am Ende zählt ja der Wille, positiv wie negativ).
Übersehen wir einmal das Offensichtliche: das Ausblenden der Ads, finden sich dort so interessante Styles wie: Eilmeldungen auf zeit.de entfernen, oder auch zeit.de without user comments oder …remove useless stuff.
Auf ähnlichen Pfaden wandeln die Nutzer, die Dienste wie Instapaper u.ä. in Anspruch nehmen. Ich nutze es ja eher als Merktool für Texte, die ich später am iPad (in netzfreier Umgebung) abrufen möchte, für viele ist es aber auch die designfreie (und natürlich widerum werbefreie) Umgebung, die das Leseerlebnis fördert. Man mag schon gar nicht mehr vom next big thing sprechen, denn in Sachen UI könnte dies eben kein UI sein.
Entegegen der Kritik und den Anregungen, die per Mail oder über die social Kanäle zu uns gelangen, sind dies jedoch Methoden, die der Diskussion aus dem Weg gehen, Fakten schaffen. Trotzdem natürlich ebenso valide…
In meinem letzten Artikel habe ich ihn noch quasi zitiert, sein großes »The Revolution Will Not Be Televised«. Obwohl Scott-Heron mehr als ein Jazzer war, Funk machte, Soul, viel Lateinamerikanisches und sein Sprechgesang von vielen als die Vorstufe von Hip-Hop gesehen wird, musikalisch genauso wie thematisch, geht mit ihm der erste meiner drei großen zeitgenössischen Jazzfavoriten. Bye.
In diesen Tagen liesst man wieder viel über Revolution, die von der Presse links liegen gelassen und ausschließlich über Twitter und Facebook organsiert werden. Diese sogenannten Twitter- oder Facbookrevolutionen bewiesen außerdem, also außer dass es in einigen Ländern viele unzufriedene Menschen gibt, dass social media nun die Informationshoheit übernommen habe.
Zur Revolution kann man ja nun stehen wie man will, der Begriff wird meines Erachtens – spätestens im Falle Spaniens – derzeit ein wenig überstrapaziert. Vielleicht ginge Demokratiebewegung eher durch? Ebenso werde ich das Gefühl nicht los, dass viele die Revolution in anderen Ländern als willkommene Bereicherung der allgemeinen Gesprächslage empfinden, ohne sich vielleicht mit den Forderungen der dort Revoltierenden auseinanderzusetzen. Hier wäre auf Facebook sicherlich mehr Platz zum Exkurs als bei Twitter, ausser Grußbotschaften läuft da allerdings nicht viel. Ich nehme mal an, allein mit der Mitgliedergröße einer Facebookgruppe, lässt sich noch keine Straßenschlacht gewinnen, mit Likes kann man bekanntlich nicht schiessen. Um es kurz zu machen: die politische Auseinandersetzung mit dem Thema ist dann wieder den guten alten Blogs überlassen. Und am Ende doch wieder der Presse. Aber es ging ja auch um Informationshoheit und nicht um Deutungshoheit.
Da widerum wundere ich mich, dass sich alle so demonstrativ wundern. Natürlich sind Facebook und Twitter ganz hervoerragende Werkzeuge, um sich zu organisieren. Aber steht social media hier in Konkurrenz zur Presse? Also nur, wenn Demonstrationen früher durch Anzeigen in Zeitungen organisiert wurden. Oder durch Zeitungsberichte. Das mag schon vorgekommen sein. Wir haben früher Plakate gedruckt, Handzettel an Schulen verteilt, Mund-zu-Mund-Propaganda genutzt (und dabei ging es mitnichten um revolutionäre Aktionen, auch wenn wir es so nannten). Ich behaupte mal, wäre ich heute noch in den Zusammenhägen wie damals tätig, dann würden wir Twitter und Facebook nutzen.
Prima, dass die Leute Twitter und Facebook nutzen, ich sehe da allerdings wenig überraschendes. Besonders dort, wo der Staat nicht flächendeckend die Kommunikation kontrolliert und zensiert (was ja in Spanien eher nicht der Fall ist). Da sind die Aufstände in Nordafrika schon eher sowohl Revolutionen und die Nutzung der social media Känäle eher bemerkenswert.
Gänzlich lächerlich finde ich es nun aber, das Konzept Facebookrevolution nach Deutschland übertragen zu wollen, nach dem Motto: hier gibt es Facebook und Twitter, dann muss es hier auch eine Revolution geben. Mal bitte? Der Socialmediaberater in Anzug und Krawatte als Kämpfer für das deutsche Prekariat? Sorry, aber ich lach mich echt schief… Wo kriegt man denn hier eine Bahnsteigkarte?
Eben habe ich im Radio einen Beitrag gehört. Es ging um Plagiate berühmter Marken, die man im Internet zu Spottpreisen kaufen kann. Würde man – oder der entsprechende Händler – bei diesem Verstoss jedoch erwischt, müsse man ggf. Schadenersatz an die Rechteinhaber zahlen und mglw. sogar noch die Vernichtung der Ware bezahlen. Der Rat der Kollegen vom Radio: man hole sich vor einem Kauf im Internet ggf. den Rat eines Rechtsanwalts ein.
Zwei Sachen stechen hier ins Auge: während der Teilsatz im Radio gehört durchaus noch seine Berechtigung besitzt (ok, man könnte durchaus noch den Sender konkretisieren), da wir das Abspielgerät und das Medium Radio gemeinhin gleichsetzen, ist die Bezeichnung im Internet zwar noch keine Falschaussage, jedoch eine völlig sinnentstellende Ungenauigkeit, die gleichzeitig den falschen inhaltlichen Unterbau zur Story liefert. Will sagen: das Internet ist kein Ort, keine Straßenecke an der Händler stehen, kein gestreamtes Medium, das über mehr oder weniger genormte Geräte zur gleichen Zeit mit gleichem Inhalt in die Haushalte ausgestrahlt wird, das Internet ist nicht das Radio, das Internet gibt es so eigentlich gar nicht.
Um beim Thema des oben Gehörten zu bleiben: Plagiate bspw. von Artikeln führender Sportartikelhersteller kann man in Urlaubsorten am Mittelmeer kaufen, oder auf dubiosen Webseiten, dubioser Anbieter, auf die man – wenn nicht auf Hinweis eines noch dubioseren Freundes – aufgrund von äusserst dubiosen Mails, wir nennen es Spam, gekommen ist. Das ist nicht das Internet, sondern die dunkle Ecke eines düsteren Hafengebietes in einem subtropischen Land deiner Wahl, eben ist man noch an einem Plakat vorbeigekommen, von dem der örtliche Diktator herunter mehr Rechte für die Gepeinigten verspricht. Wer in solch einer Umgebung erwartet, für 30 Euronen eine Rolex kaufen zu können, der braucht keinen Anwalt, sondern einen Arzt.
Trotzdem raten wir selten jenen Menschen, die massenhaft in solche Gebiete Urlaubsreisen unternehmen, ihren Anwalt mit auf die Reise zu nehmen um ihn im Zweifelsfall konsultieren zu können. Vielmehr erwarten wir von Urlaubern, die – sagen wir mal – in die Türkei reisen zu wissen, dass man die dort gekauften Adiletten besser nicht im Handgepäck transportiert oder gleich am Flughafen in den nächsten Mülleimer wirft. Durch den Zusatz im Internet jedoch, neigt der hier verallgemeinerte Journalist dazu, seinem Rezipienten jeglichen Menschenverstand abzusprechen. Zusammen mit dem Gefühl für Moral und der Rechtsauffassung. Das Internet ist gefährlich und wir sind dort alle Deppen.
Noch schlimmer ist eigentlich die Floskel auf/bei Facebook. Lässt man doch keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass sich zu diesem oder jenem Thema bereits eine Facebookgruppe gegründet habe, oder es eine Fan-Seite auf Facebook gäbe. Nur die Eingeweihten 18 Mio. Facebooknutzer scheinen zu wissen, dass eine Gruppe auf FB soviel Wert hat, wie eine Eisdiele in Cityville.
Liam Lynchs United States of Whatever ist in unserem Büro soetwas wie ein kleine Hymne in Fällen wo… whatever! Zeitweilig hatten wir davon sogar ein Sample per Applescript zum Anklicken auf dem Desktop liegen. Diese Tage sind gezählt, seit Arne »Ich blog nur einmal im Jahr« das X-Curse-Projekt (ich pass mich mal sprachlich hier einfach an)The Achtung Achtung für uns (wieder-)entdeckte, sind wir in den Hafen des deutschen Sprachgutes zurück gekehrt und singen nur noch: Verpiss Dich!
Im Kino heute ist alles so echt und gestochen scharf, dass es schon wieder unecht wirkt. Lächerlich wirken dabei die Versuche, digitalem Film dadurch Leben einzuhauchen, dass man mit der Handycam herumwackelt und im postprocessing Körnung hinzufügt. Doch ohne Grain gibt es keine Tiefe, keine dunklen Stellen, keine unausgeleuchteten Bereiche, keinen dritten Mann, keinen Norman Bates und kein verdammtes Casablanca. Ich liebe Grain. Und Technicolor…
Technicolor, richtiger three-strip technicolor ist ein Herstellungsverfahren für Farbfilme, bei dem drei verschiedenfarbige Negative zu einem Farbfilm zusammenkopiert werden. Das sog. fünfte Technicolor-Verfahren bestimmte die Farbigkeit der Filme der 50er, 60er und frühen 70er. Natürlich ist das nicht natürlich. Natürlich mag ich es so am Liebsten. Als Kind habe ich geglaubt, New York, Chicago und San Francisco wären in leicht gelbstichiges Technicolorlicht getaucht (und Ost-Berlin schwarz-weiß). Dazu geht immer etwas Grain…