Steve Jobs ist tot. Mit nur 56 Jahren verlässt uns damit einer der großen Visionäre unseres sogenannten Computerzeitalters.
Ersten Kontakt mit der Welt des Steve Jobs hatte ich Anfang der 90er Jahre. Ich programmierte seinerzeit Mailboxsysteme für Mittelständler, die in der (damals noch) Pre-Internetzeit elektronischen Datenaustausch mit Kunden benötigten. Einer meiner Auftraggeber hatte in seiner mit Computerbauteilen und Bildschirmen völlig zugemüllten Wohnung auf dem Schreibtisch im Wohn/Arbeitszimmer zwei (!) sogenannte Pizzaboxen stehen. Die flachen NeXT-Rechner fielen vor allem durch den (für damalige Verhältnisse) wirklich riesigen Farbbildschirm und die völlig untypische schwarze Farbe auf. Da ich immer nur zu Besprechungen dort war, habe ich die beiden Boliden allerdings nie im Einsatz erlebt, sondern bewunderte ausschließlich deren Bildschirmschoner, die berühmten fliegenden Toaster. Was auch alles war, was mich von damals bis zu meinem ersten eigenen Rechner der von Jobs konzipiert war begleitete: die fliegenden Toaster installierte ich auf jedem PC, den ich nutzte.
Was sich so albern anhört, ist aber in Wirklichkeit für das Phänomen Jobs, und das was er dann letztendlich aus der Firma Apple gemacht hat extrem typisch. Ein PC konnte noch so aufgerüstet und schnell und fantastisch ausgestattet sein, er sah doch immer aus, wie ein langweiliger grauer Kasten. Rechner, die Jobs ersann signalisierten dagegen schon von außen extrem ihre inneren Werte. das konnten sowohl Erhabenheit, Verspieltheit oder auch Wertigkeit sein. Jobs hat den Rechner zum Freund gemacht: nicht umsonst steht in meinem Arbeitszimmer immer noch ein grüner iMac herum, den ich mir gebraucht zulegte, als er eigentlich längst technisch überholt war. Am Ende haben wir ihn nur noch als CD-Player benutzt, aber eben benutzt. Mein erstes MacBook habe ich vor dem Öffnen immer gestreichelt, und das bei, wie ich glaube, immer vollem Bewusstsein.
Steve Jobs hat Computern Leben eingehaucht und ebenso der Computerindustrie, dem Silicon Valley. Hätte es nur Microsoft gegeben, wäre die Welt eine andere geworden, wohl eher nicht besser, als sie heute ist. Man kann nur hoffen, das Apple nun auch ohne Steve Jobs das bleibt, was er dort hineingedacht hat. Eins ist aber auf jeden Fall sicher: wir werden Steve Jobs noch vermissen.
Immer noch Facebook? Der Gastbeitrag von Benjamin Siggel in der Spackeria beweist zwei Dinge: a) Piraten haben offenbar eine Tradition für gewöhnungsbedürftige Spitznamen und b) ein Faible für ebenso gewöhnungsbedürftige Vergleiche. Man schmäht sich jedoch immer noch mit angezogener Handbremse, obwohl die Datenschützer (also die mit dem gleichnamigen Amt), das Netz – wie es heute funktioniert – offenbar nicht verstehen (wollen).
Ganz anders hält man das mit dem Schmähen beim amerikanischen Rolling Stone. Monarchie & Alltag verweist auf dessen wundervolle, lesenswerte Schmähkritik an Michele Bachmann. Oder Beachmann? Bachmann is a religious zealot whose brain is a raging electrical storm of divine visions and paranoid delusions. Great stuff.
Jonathan Longnecker (heisst wirklich so), ist der Ansicht, dass Responsive Webdesign langweilig ist und meint damit allzu eintönige Gridlösungen, die derzeit die Runde machen. Etwas gewollt provokativ, aber auch nicht ganz falsch.
Als ich Let’s talk iPhone in meine Glaskugel einspeisen wollte, ist die glatt kaputt gegangen, deswegen enthalte ich mich der Spekulationen. Gerrits Glaskugel ist offenbar auch kaputt, hat er aber nicht gemerkt, deswegen hat er ein paar ganz heisse Vorhersagen zu machen.
ich habe das gefühl, wenn man mit kotze im mund sascha lobo liest, missversteht man ihn leicht.
…und vergisst dabei sogar das ix. Ich glaube ja, ohne Bier im Kopf versteht man ihn viel zu gut, den Herrn Lobo, vor allem wenn er für SPON verbricht schreibt. Nebenbei bemerkt, mißtraue ich bayrischen Trachten und Gebräuchen auf ähnliche Weise wie Facebook. Von daher stimmt der Vegleich.
Bei t3n steht, dass Slideshare Flash verwirft, was mehr oder weniger meinen Artikel in der aktuellen Ausgabe des t3n-Magazins fortschreibt. Hätte man sich bei den Videos geeinigt, könnte Flash längst Nischentechnologie sein.
Gestern hat Amazon die neuen Kindles (Touch) und den Kindle Fire vorgestellt. Das hat natürlich jeder mitbekommen, der nicht unter einem Stein wohnt, könnte es sich doch um iPad-Konkurrenz handeln. Amazon CEO Jeff Bezos stellte dann aber doch eher einen Kindle für Medien, statt eines iPad-Konkurrenten vor. Trotzdem: anders als Samsung beispielsweise, hat Amazon verstanden, das es um die Inhalte geht und zufällig auch die passenden Inhalte parat. Aus der Amazon-Cloud wird das Gerät stetig mit Büchern, Musik und Videos versorgt. Content is king, yet again. Das macht ihn nicht zu einem iPad-Konkurrenten, aber hebt ihn von der Androidmasse ab, für einen erfolgreichen Start sollte das reichen, vor allem bei dem Kundenstamm, über den Amazon verfügt und dem Preis (ab 199$).
Ob das alles auch für Deutschland zutrifft? Zur Zeit kann man gerade den ganz kleinen Kindle ohne Tastatur für 99 Euronen vorbestellen, VÖ: 12. Oktober. Über den Kindle Fire oder die Kindle Touch schweigt sich die Amanzon.de-Seite jedoch aus. Wer weiss, ob es wieder zwei Jahre dauert, bis man außerhalb der USA das Produkt voll nutzen kann. Gibt es tatsächlich keine internationale Strategie, dürfte das am Ende sicherlich als Fehler herausstellen, das iPad jedenfalls kann man in 64 Ländern kaufen.
Ob es wirklich solange dauern soll, bis wir hier Amazon Silk, den Browser des Kindle Fire testen können? Soweit ich das sehen kann, ein cloudgestützter Webkit-Browser. Das Video macht mir ehrlich gesagt ein wenig Kopfschmerzen:
Das Prinzip ist natürlich genauso einfach wie logisch, nur wer schon einmal Erfahrungen mit der Sorglosigkeit vulgo Dreistheit gemacht hat, mit der bspw. Mobilprovider den Content von Internetseiten für die mobile Auslieferung anpassen, bekommt eine Idee davon, was es heisst, zunächst durch die Amazon-Cloud zu müssen, eh’ das HTML beim Browser ankommt. Kennt man ja auch ähnlich vom mobilen Opera. Man muss sich allerdings die Frage stellen, wozu das gut sein soll: es gibt keinen Fire 3G, sondern nur eine WLAN-Version, eine derartige Optimierung wäre also verzichtbar. Das für den Fire praktisch alles zunächst durch Amazons Server geleitet wird, lässt die Diskussion um Facebooks Timeline wie ein Kindergartengespräch erscheinen, denn Amazon liest alles, absolut alles mit, was am Silk ankommt oder abgeht. Gatekeeper galore.
Heute soll der/die/das Amazon Kindle Fire präsentiert werden. Bei paidContent.org noch schnell nachlesen, was man gestern noch darüber geglaskugelt hat.
Beim Networking ist das beste Zeitmanagement kein Zeitmanagement, jedenfalls wenn man nicht Madonna treffen will, schreibt Simone Janson. Davon verstehe ich ehrlich gesagt nichts, da ich weder Zeit- noch Networkmanagement betreibe. Immer schön die toDo-Liste pflegen!
Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Studie in Auftrag gegeben, die feststellt, dass 560.000 Deutsche, jetzt kommt’s, internetsüchtig sind.
Hochgerechnet gilt demnach etwa ein Prozent der Bevölkerung als onlinesüchtig. Das entspricht ungefähr der Zahl der Marihuana-Abhängigen. Die Studie ist die erste repräsentative Untersuchung zur Internetsucht in Deutschland. Experten der Universität Lübeck und der Universität Greifswald befragten mehr als 15.000 Menschen zwischen 14 und 64 Jahren per Telefon. ZEIT ONLINE
OK. Ich geb’s hiermit zu: ich bin onlinesüchtig. Ich sitze jeden Tag von spätestens neun, bis mindestens 17 Uhr vor dem Rechner, meistens länger (Suchtzeichen: übermäßige Nutzung), und ich habe immer mindestens zwei Browserfenster offen (Suchtzeichen: Mehrfachverwendung). Zeitweise hämmere ich im Minutentakt auf den Reloadbutton (Suchtzeichen: Ticks und Zwänge). In ungefähr dem gleichen Takt purzeln Emails in mein Postfach, gehen Tweets ein, werde ich im Chat angesprochen (Überdosis Information). Um meiner Sucht körperlich gewachsen zu sein, trinke ich literweise Kaffee (Zusatzsucht). Während ich online bin, sitze ich fast ausschließlich im Büro (Suchtzeichen: Immobilität) und leide darum an Adipositas (wieder Zusatzsucht), weil ich ausschließlich in der hauseigenen Kantine esse. Leute treffe ich allenfalls in Meetings, in den sogenannte jour fixes auch noch immer diesselben Leute (Suchtzeichen: eingeschränkter Freundeskreis). Wenn ich nicht am Rechner sitze, bin ich via iPhone online (Angst etwas zu verpassen), ich beantworte Mails noch bis spät abends. Alles eindeutige Suchtzeichen.
Und ich verdiene auch noch Geld damit. Viel mehr verdiene ich Geld mit der (Informations-)Sucht anderer. OK, ich bin kein Dealer, aber ich gehöre zu den Leuten im Hintergrund, die das Geschäft am Laufen halten.
Drehbuch: Bei Scriptshadow frage ich mich manchmal: »willst Du das eigentlich wirklich lesen«, und tue es dann doch. Der nächste Film mit Tom Cruise wäre bestimmt gut, ohne Tom Cruise. So belibt einem nur sein Script.
Gleich vor dem Papst rangierte letzte Woche die Diskussion um die neuen Facebookfunktionen auf Platz 1 meiner Feedlisten. Grund genug, meinen Senf dazu beizusteuern.
Dave Winer hat Angst. Angst vor Facebook. Das ist schon mal eine Meldung wert, denn bisher waren es ja nur die technikfeindlichen Deutschen, die sich Sorgen um den Datenschutz machten. Nun ist das Gefühl offenbar auch in den USA angekommen. Da hat Marc Zuckerberg bei der letzten Facebookkonferenz f8 richtig einen Stein ins rollen gebracht.
Eigentlich ist die Timeline ja auch eine wirklich nette Idee. Mein Leben im Netz, das hätte durchaus eine Sache sein können, die man in seinem Blog umsetzt. Vielleicht nicht unbedingt bei Facebook, aber letztendlich ist auch das naheliegend. Zuck(erberg) kommt in die Jahre, in denen man sowas macht und er hat schon immer geglaubt: was ihm gefällt, gefällt der Welt. Ob dem so ist, wird sich zeigen.
Vielleicht nicht ganz so leicht hinnehmbar ist der neue OpenGraph-Datenstrom, der in diese Timeline gelenkt werden soll. Nach einmaliger Bestätigung pro Website, soll praktisch jede Aktion im Netz: Musik hören, Video sehen, Buch oder Artikel lesen, Bild ansehen, Adresse suchen… zu Facebook gescrobbelt werden. Scrobbeln heisst diese Aktion bei last.fm, die das schon ewig mit Musik machen, die man auf seinem Rechner hört. Natürlich ist es Unterschied, dies für eine Aktion (Musik hören), für einen Dienst (last.fm) zu machen, statt mit hunderten Websites und -diensten, gesammelt bei Facebook. Und last.fm konnte man schnell mal pausieren, um zu verhindern, das Facebook jeden Schritt aufzeichnet, muss man sich schon ausloggen, und man konnte sich denken, das nicht mal das richtig hilft.
Warum jedoch der Aufschrei? Na gut, es gibt bei jeder Änderung von Zuckerbergs Gnaden einen Aufschrei im Netz, das ist meist schnell wieder vergessen. Nur scheint’s mir diesmal dramatischer zu sein. Hauptgrund scheint mir die neuerliche Qualitätssteigerung des Überwachungsgefühls sein: automatisches Aufzeichnen von “Likes” bzw. “Activities” ist den Leuten nicht geheuer. Auch, wenn sie das abschalten können (und werden). Hier reicht der Versuch der Einführung, ein schlechtes Gefühl zu hinterlassen. In diesem Zusammenhang wird Facebook Beacon oft genannt, das sich nicht durchsetzen konnte. Anders als bspw. bei last.fm betrifft die Funktionalität offenbar Bereiche, bei den man sich eben nicht gerne beobachten lässt, bspw. das Lesen von Artikeln. Irgendwo zwischen Songs scrobbeln und ich lese ein Buch scheint eine Privatsphäregrenze zu liegen. Das ist noch zusätzlich interessant. Nebenbei bemerkt: die neuen granularen Sharing-Mechanismen, die man bei Google+ abgeschaut hat, sind dabei gar nicht hilfreich. Denn die Angst bezieht sich eher auf die gewollte unerlaubte Weitergabe der Daten an andere (bspw. Werbung, Sitebetreiber, Goldpartner) oder den ungewollten Datenverlust, durch eine Sicherheitslücke.
Am Ende muss ja jeder selbst wissen, wie er mit Facebook, Twitter oder Google+ umgeht. Ich persönlich finde es ganz erfrischend, wenn die Leute Angst vor Facebook bekommen. Facebook ist ein Moloch, der sich immer wieder verändert und man muss immer wieder neu überprüfen, was man ihm an Informationen zu geben bereit ist. Will man teilnehmen, aber sich nicht permanent durchleuchten lassen, muss man das schon in einem eigens dafür installierten Browser tun (endlich eine Aufgabe für… Opera). Aber: warum sollte man teilnehmen, wenn man nicht mitmachen will? Moving target: gestern war Facebook noch dazu da, mit seinen Freunden Kontakt zu halten, heute ist es eine Plattform für Lebensgeschichten, und morgen?
Gestern gab es bei G+ ein großes Update, unter anderem wurde die Suchfunktion erweitert und der Video-Chat “Hangout” auf die mobilen Apps ausgeweitet. Hierzu gibt es außerdem ein API. Mehr symbolische Bedeutung dürfte die Öffnung des Dienstes für die Öffentlichkeit haben, man kann nun ohne Einladung bei G+ Mitglied werden. Damit verlässt Google allerdings die Testphase, mit anderen Worten: die Ausrede ist weggefallen.
Mein Punkt ist derzeit ein anderer: Langweilig! Google+ langweilt mich weit mehr, als ich das beim Start vorhersehen konnte. Es ödet mich regelrecht an. Und das verhindert den Switch: nach ein paar Tagen herumstöbern, lese ich allenfalls noch mal zwischendurch in meiner Timeline, die nebenbei bemerkt, von einigen Dampfplauderern beherrscht wird. Meine Twitter-Aktivität ist entgegen meine Annahme wieder gestiegen, ich nutze Facebook immer noch, um mit meinem inner circle zu kommunizieren. Und schon verliere ich die Geduld.
Der Vergleich mit Twitter bietet sich derweil an, weil ich bei Twitter und G+ ungefähr gleich -viel- wenig Follower habe. Obwohl das Followerprinzip von Twitter sich nicht direkt übertragen lässt, ist es doch am Ende nichts anderes: zum einen lande ich zwar in den Circlen von Leuten, die aber nicht in meinen, zum anderen, wenn ich etwas auf G+ poste, dann meist öffentlich, d.h. ich nutze die Circles beinahe null. Wobei ich das Feature nach wie vor nett finde, nur kann ich mich derzeit nicht der Pflege dieses System widmen, und ohne die, scheint es keinen Sinn zu machen. Obwohl sich aber die Menge der Follower vergleichen lässt, ist die Struktur eine gänzlich andere. Alle die ich jetzt Beleidige sollen mich wieder “entfolgen”, aber auf G+ sind bei mir in Windeseile hunderte Leute zusammengekommen, von denen ich nicht verstehe, warum sie mich in welchen Circle auch immer gepackt haben (vielleicht einen der “Kenne-ich-nicht” heisst?) und was die von mir wollen. Ich schaue da viel auf die Berufsbezeichnungen und finde da alles von der »SEO Journalistin« (die gibt es wenigstens zu) bis zum Teppichhändler (sic!). Das ist auf Twitter völlig anders: ich behaupte, meine Followerschar (so klein sie immer noch ist) setzt sich in der Hauptsache aus Leuten zusammen, die so wie ich beruflich mit dem Internet zu tun haben (plus und inklusive viele Leute, die ich eben auch persönlich kenne).
Ich könnte noch vieles kritisieren (bspw. das Postings auf G+ überhaupt keinen Impact haben), machen es der Kürze halber einfach mal anders herum: der Rest der G+-Features interessiert mich nicht. Ich hasseVideochats, da ich da immer aussehe wie Hape Kerkeling als niederländische Königin verkleidet (und ihr alle übrigens auch) und investieren auch keinerlei Zeit, die anderen Funktionen zu erforschen. Fehlt mir nicht.
So wird das IMHO nichts mit Google+. Wie immer am Schluss, der kurze Blick in die Glaskugel: Social Networks will go mobile. Apple machts mit Twitter (wieder einmal richtig), Google+ wird sich in Zukunft auf Android beschränken (müssen) und Facebook wird am Ende mit M$ zusammengehen (absehbar, bleibt ja nichts anderes mehr).