Zunächst mal einen herzlichen Glückwunsch an die Berliner Piratenpartei, also ich habe jedenfalls nicht damit gerechnet, dass so relativ frühzeitig der Sprung in ein Landesparlament gelingt. Natürlich nimmt »Arm-aber-sexy«-Berlin eine gewisse Sonderstellung gegenüber den Flächenbundesländern ein, dafür ist es aber auch ein hervorragender Präsentierteller in Sachen Bundespolitik, vielleicht reicht die Welle der Begeisterung ja bis zur nächsten Bundestagswahl.
Die ja, geht es nach SPD und Grünen, nicht mehr so lange hin sein sollte. Kann ich verstehen, dass die lieber heute als morgen Neuwahlen ansetzen möchten, ihre Karten liegen gut derzeit und eh’ noch weitere Konkurrenten um Parlamentsplätze erstarken, wäre jetzt sicherlich der günstigste Zeitpunkt für eine Neuwahl. Das werden CDU und FDP jedoch nicht mitmachen. Einerseits hat sich Frau Merkel inzwischen nicht nur im Politikstil und in Sachen Sitzfleisch Helmut Kohl angenähert, sie trägt auch schon den gleichen Gesichtsausdruck zwischen Verbissenheit und Ignoranz zur Pressekonferenz. Zum anderen verliert die CDU ja auch nicht richtig, jedenfalls nicht ggü. der SPD, jedenfalls nicht genug, als das man es nicht noch schön reden könnte. Und die Versammlung von Pfannkuchengesichtern, die sich FDP nennt, hängt ihr Fähnchen ja schneller in den Wind vor der Parteizentrale, als auf Twitter Witze über ihre Wahlschlappen eingehen können. Dabei ist das leider gar nicht mehr witzig.
Was uns zur politischen Gesamtsituation führt. Dramatisch gellt es aus den Gazetten, der Niedergang ist da, am 5. November ist Weltuntergang! Wahr indes ist, dass sich die Politik der letzten 40 Jahre, in Europa genauso wie anderswo, in eine regelrechte Sackgasse manöveriert hat. Und keine Partei in Deutschland (oder anderswo) hat darauf derzeit eine veritable Antwort zu bieten. Natürlich auch nicht die Piraten, die sich (das kann man ihnen nicht verübeln) erst mal um ihre Themen kümmern werden. Hoffe, das wird lustig und nicht zu dramatisch.
Ein Sammler ist ja immer ein wenig ein Extremist mit dem Habitus des Steinzeitmenschen (Jäger und…). Dabei ist es ja letztendlich egal, ob man Porzellanfigürchen in Setzkästen, Herrenkämme aus Keratin, Stehlampen oder Setzkästen voller Porzellanfigürchen sammelt. Der Sammler konserviert mit jedem neuen Stück, das er seiner Sammlung zitternd und »he he he, mein Schatz« stotternd hinzufügt, ein Stück (eigene oder fremde) Vergangenheit, auf das er später zurückblicken kann, wenn er seine Schätze aus dem Regal, Setzkasten oder der Garage holt, um sie anzusehen, zu streicheln oder ähnliches.
Das funktioniert je nach Sammelobjekt gut oder schlecht. Alte Segelschiffe, gebrauchte Porsches und herrschaftliche Villen sind beispielsweise gute Objekte um sich in fremder Vergangenheit zu sonnen. Plattensammlungen hingegen konservieren eigene Vergangenheit, eigene Gefühle mithin. Am besten funktioniert das natürlich mit absurd großen Plattensammlungen. Und auch hier gibt es Unterschiede. Denn natürlich kann man die wahrscheinlich fünftausend Veröffentlichungen der Flippers, von Roland Kaiser oder Elvis sammeln. Zur Konservierung von rund 10 Jahren Vergangenheit und Gefühlen, muss es jedoch eine absurd große Sammlung von Maxi-Singles elektronischer Musik jeglicher Coleur, vornehmlich House und Techno sein. Einmal die kompletten 90er Jahre auf Vinyl.
Der Plattensammler: am Anfang, da hat er die Scheiben noch aufgelegt, mit seinen beiden Technics-1210-Plattenspielern, die zusammen übrigens auch schon 28kg auf die Waage bringen, aber… das ist ja nichts gegen die ganzen Platten. Die hat er beim ersten Umzug noch mit Stolz und Freude geschleppt: tonnenweise. Und von Umzug zu Umzug hat das weniger Spaß gemacht, und seine Freunde haben gemotzt beim Helfen, mit USB-Sticks nach ihm geworfen, und irgendwann kam dann keiner mehr helfen. Und in all den Jahren, ist er ja selbst seinen Platten irgendwie fremd geworden. Sortiert nach Alphabet, nach Jahren, nach Ereignissen, nach Sets (aus der Erinnerung heraus), man kennt das aus »High Fidelity« (und der Film ist ja nun auch schon uuuuuurrrralt). Ein Plattenspieler hat den Geist aufgegeben, das Mischpult ist über den Jordan gegangen, haben sich kaputt gestanden die guten Stücke. Denn mit den Jahren ist er doch immer weniger dazu gekommen, seine Sammlung zu pflegen, damit zu spielen. Nun wäre es an der Zeit einzusehen, dass, obwohl er sich geschworen hat, niemals auch nur ein Vinyl zu verticken (damals in den 90s hat man verticken gesagt), es dringend angeraten wäre, mal ein paar Hundert von den Dingern los zu werden. In Wahrheit hat er ja auch schon die ganzen Promos und Whitelabel weggeschmissen, geschenkter Gaul und so. Soll er die Dinger doch endlich verkaufen! Na gut, auf Ebay kann’s natürlich passieren, dass er die ganze Sammlung für ‘nen Hunnie weggeben muß. Die Schmach wäre zu groß. Und auf Discogs, da muß er die Sachen praktisch einzeln verkaufen, das bringt zwar Kohle, wird aber hundert Jahre dauern.
Beim Sammeln gibt es nur ein Problem, vor allem wenn man nicht gerade Briefmarken, Rohdiamanten oder Faber-Castell-Bleistifte sammelt: die Sammlung.
Am 1. September 31. August erscheint die 25. t3n mit einem Artikel von mir (Infolink) zur Frage App versus Web, eine längere Fortsetzung meines Artikels hier. Nun, Papier ist zwar geduldig, aber oft schneller überholt, als es bedruckt wird, darum hier eine kleine Ergänzung zu einem Teilaspekt des Artikels, in dem ich die mögliche, zukünftige Verteilung der mobilen Clients versuche vorherzusagen. Die jüngsten Ereignisse um den Kauf von Motorola (durch Google) und den Verkauf von webOS (durch HP) dürften einen nicht marginalen Einfluss auf diese Zahlen haben.
Bisher wurde über die Auswirkungen des Motorola-Deals vor allem mehr oder weniger trefflich spekuliert. Tatsache ist, dass Google seine Android-Partner sicherlich stark verunsichert oder gar verärgert hat. Vor allem Samsung scheint sich das nicht gefallen lassen zu wollen und will wohl webOS von HP kaufen. Sollte der Deal so laufen, wird das natürlich starken Einfluss auf die Verteilung der mobilen Betriebssysteme in der Zukunft haben. Ob Google mit Motorola allein Android so erfolgreich in den Markt drücken kann wie bisher, halte ich eher für fraglich. Android war für mich aber bisher ganz klar der kommende Anführer bei den mobilen Systemen. Stattdessen die schon erahnte weitere Diversifikation durch webOS, von dem ich mir allerdings sicher war, dass HP es selber zum Einstieg in den Smartphone-Markt nutzen würde. Falsch gedacht. Wenn Samsung allerdings webOS kauft, müssen die es a) kräftig weiterentwickeln, damit es mit iOS und Android auch zukünftig konkurrieren kann und b) hohe Verkaufszahlen erreichen, damit sich die Investition dann auch lohnt.
Das wird auf jeden Fall spannend, denn zerfällt die Androidfront, ist ja wieder alles drin, von der totalen Zerstückelung des Marktes bis zur endgültigen Dominanz von iOS oder eines anderes Systems. Und wie schon angekündigt: schwierig in so einer Lage nur Apps für ein System zu bauen… ohne zu wissen ob man auf das richtige setzt. Genau solche Vorgänge spielen den Webapps den Ball zu. Ich hab’s ja gesagt.
Im Moment gibt es wieder viel zu lernen, in Sachen CSS. Da sind zunächst die vielen neuen Dinge, die CSS3 bringt. Durch die derzeit rasante Browserentwicklung, Polyfills oder einfache Fallbacklösungen kann man vieles davon schon heute oder wenigstens morgen gebrauchen. Dazu kommen die Learnings aus einigen Jahren intensiven Einsatzes von CSS, seit der internationalen Ächtung des Tabellenlayout ist viel passiert.
Seit CSS dem style-Attribut entwachsen ist, unterlag es lange Zeit einer eher langsamen Entwicklung. Gehemmt durch den Internet Explorer hat es ewig gedauert, bis sich CSS 2(.1) überhaupt durchgesetzt hat. Man hat lange Zeit eher mit den gegebenen Umständen hantiert, anstatt CSS weiter zu entwickeln. Die floats lösten die Tabellen ab, die CSS Hacks beherrschten die Szene lange, machten zweigleisige Entwicklung für potente und für beschränkte Browser möglich. Das Set an Techniken hat sich aber in der Menge kaum verändert, vielmehr lernten wir immer besser damit umzugehen. Dabei sind aber auch viele Standardlösungen entstanden, die heute einer genaueren Prüfung unterzogen werden müssen.
Our best practices are killing us!
Nicole Sullivan (die, nicht die) tritt derzeit mit einem Vortrag unter diesem Titel auf, den ich sehr beeindruckend finde, weil er so sehr das trifft, was ich derzeit selbst in der Praxis feststelle. Viele der best practices, die in den letzten Jahren ersonnen, gepaukt und umgesetzt wurden, klingen gut, haben sich aber in den Jahren ihres Einsatzes vielleicht gar nicht bewährt. Andere wurden von der Entwicklung überholt, wurden zur Angewohnheit. Um mal ein klassisches Beispiel aus einem anderen Bereich zu bringen: wenn Sie <script>-Blöcke in einem HTML-Document nutzen, umgeben sie den Code dann auch noch mit HTML-Kommentarzeichen? Eine Technik, die heute lange nicht mehr nötig ist. Trotzdem sieht man sie immer wieder. So geht es auch mit vielen Angewohnheiten in CSS.
die Angabe von Schriftgrößen nicht in Pixel sei kontraproduktiv,
etwas mehr Klassizitis wäre gar nicht so schlecht, da so lange Selektorketten vermieden würden,
durch semantische Klassennamen würde der Codewiederholung der Weg bereitet,
der Mythos, kein zusätzliches Markup für das Layout einführen zu dürfen, sei mehr als schädlich, da durch Container Layoutprobleme auf festgelegte Bereiche beschränkt werden könnten.
In der Praxis nicht bewährt
Da geht es ihr genau wie mir. Wenn man betrachtet, wie wirklich große Website-Projekte entstehen, stellt man fest, dass durch die genannten best practices Nötiges nur von einer Ecke des Projekts in die andere verschoben wurde. So kann man wunderbares, absolut semantisch reines HTML schreiben, ohne jegliche Layout-Divs, so klein wie nur irgend möglich, ob die Seite dadurch wirklich schneller wird? Oder übersichtlicher? Nun, das HTML natürlich schon, aber wenn wir uns anschauen, wieviel sich gegenseitig überschreibendes CSS benötigt wird, merkt schnell, das man die Komplexität nur verlagert hat. Miss Sullivans Beispiel: bei Facebook hatte man vor einem umfassenden CSS-Relaunch 706 CSS Dateien, in denen 261 Mal die gleiche Farbe blau definiert war. Do not repeat yourself?
Und dabei geht’s nicht mal darum, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben: Komplexität im CSS schadet allen Beteiligten, denn sie drückt auf die Performance. Mein Beispiel ist die tägliche Praxis. Bei einem großen Projekt wurden nahezu nach Lehrbuch beim Schreiben von HTML-Code (und Javascript[1]) auf auf eine ganze Reihe best practices geachtet. Das hat zunächst mal dazu geführt, dass wir zwar schlankes HTML, aber ziemlich viel CSS (und Javascript) über die Leitungen schicken. Dabei ist die Menge an CSS und seine Komplexität eine direkte Folge der semantischen Strukturen im HTML. Aber wo im HTML bspw. nur wenige Klassen stehen, muss im CSS mit unendlich langen Selektorketten auf Elemente zugegriffen werden, was die Menge an CSS erhöht, die Geschwindigkeit des Renderings aber herabsetzt. Nach einigen Jahren ist diese Situation immer schlimmer geworden. Sie ist dabei kaum noch überschaubar, weil man praktisch nur noch mit dem Firebug entscheiden kann, welche CSS-Regel auf ein Element greift. Und die schiere Menge an Code macht es nicht besser. Abhilfe schafft da oft, einfach mal eine Klasse ins HTML zu schreiben, die direkt angesteuert wird. Und die darf dann vielleicht auch mal “blue” heissen, naja, vielleicht besser “main-color”.
CSS Refactoring?
Will man sich aber, mindestens in Teilen nun aber von dieser Praxis abwenden, dann hat man jetzt den GAU, den man eigentlich vermeiden wollte: Änderungen an der Codebasis und am CSS. Zumindest kann man das Nutzen, um die IE6-Unterstützung endgültig zu droppen und so das ganze CSS etwas zu modernisieren. So stehen nun vieler Orten viele Änderungen in Sachen CSS an. Neues hinzufügen, alte Zöpfe abschneiden. Alte Projekte auf den aktuellen Stand heben.
[1] Noch ein Nebensatz zur Rolle von Javascript: dies wurde erstaunlicherweise viel zu oft genutzt, um die selbst gesetzten Grenzen bei HTML und CSS zu überwinden oder umgehen. Hüstel…
Einmal im Jahr zwinge ich mich, an einem Meme teilzunehmen, einfach auch um ein wenig die Blogberechtigung zu behalten. Einen schönen, von dem ich schwören könnte, schon mal dabei gewesen zu sein, gibt’s derzeit von hier: stelle Deine 15 Lieblingsplatten vor. Na gut, ich hoffe alle haben ein wenig Zeit mitgebracht, nicht nach Beliebtheit geordnet sind das:
Heiko Laux – The Oldschool Street (i220 Rec., 1998)
Techno kommt aus Detroit, Minimaltechno sowieso, beide sind aber zu gleichen Teilen nach Köln und Berlin ausgewandert. Denkt man so, stimmt aber nicht. Denn mein Lieblingsalbum in Sachen Techno kommt aus dem Kanzleramt in Bad Nauheim (auch wenn die Scheibe selbst bei i220 erschien). Heiko Laux präsentiert den bestproduzierten deutschen Techno der 90er Jahre und zusammen mit beispielsweise Johannes Heil und Anthony Rother hat er eine elektronische Musik verfasst, die sich gänzlich mit meinen Bedürfnissen bis heute deckt: je nach Einstellung des Lautstärkereglers sind es verträumte Hörerlebnisse oder unglaubliche Tanzmonster. Und dabei so abwechslungsreich, dass man alle Titel als Set einfach hintereinander spielen könnte um 50 Min. Glück zu versprühen. Bester Titel: »C1 (Untitled)«.
Steve Bug – Volksworld (Raw Elements, 1997)
Hamburg war für uns früher das gelobte Land des DJings. “Der ist nach Hamburg gegangen”, war ein Standardsatz, wenn wieder einer sein Glück versuchte, in der großen Stadt genauso erfolgreich zu sein, wie in der Dorfdisco. So zog als einer der ersten Stefan Brügesch aka. Steve Bug in die große Stadt und mein Gott, er hatte Erfolg. Herrjeh. Und Volksworld für mich das Album dazu. Noch aus der frühen Phase, vor Pokerflat, deep und knarzig gleichzeitig, ehrlich und irgendwie immer noch neu. Das war die Musik die ich auflegen wollte. Und aufgelegt habe. Nur nach Hamburg bin ich damit nicht gekommen. Das haben dafür andere geschafft. Bester Titel: »Drives Me Up The Wall«.
Quantic – The 5th Exotic (Tru Thoughts, 2001)
Why am I here and where am I going, ist die zentrale Frage, um die es auf “The 5th Exotic” geht und das ist gleichzeitig eine der zentralen Fragen, die ich für mich immer noch zu klären versuche. Quantic macht sonst sehr latinoeske und jazzige Sachen, auf dieser Scheibe geht es aber streng elektronisch zu. Dafür die lieblichste und weichste Elektronik, die man zusammenmixen kann. Musik die traurig macht, aber auch Zuversicht verbreitet, alles andere jedenfalls als dahinplätschernd wäre. Bester Song: »Infinite Regression«.
Nightmares On Wax – Carboot Soul (Warp Rec., 1999)
Von George Evelyn und Kevin Harper könnte ich mal jedes Album hier auflisten, die nightmares sind einfach mein absoluter Lieblingsact. Carboot Soul ist dabei schon eins der späteren Werke, ganz oben auf der Downbeat-Welle und so dermaßen weich und warm, dass habe ich mit 35 noch zum Einschlafen gehört. Bester Track übrigens meiner Meinung nach »Argha Noah«.
Etienne De Crécy – Super Discount (Solid Disques, 1997)
Über diese Scheibe gibt es einen eigenen Eintrag hier im Blog, was schon einiges aussagt. Wer den nicht liest ist doof.
Mr. Scruff – Keep It Unreal (Ninja Tune, 1999)
Mr. Scruff from Manchester, listen and repeat: Maaanch’st’r, DJ, Musiker, Kunstverleger und Zeichner, dessen einziger Hit »Get A Move On« es bis in diverse Werbespots schaffte, was für einen Ninja-Tune-Act schon eine krasse Nummer ist, war wohl eher ein Versehen, denn normalerweise trägt Mr. Scruff Geschichten von Fischen, Walfischen und anderen Bewohnern des Meeresbodens in shanty-choresker Weise vor und das nicht mal schlecht, nein, lustig ist das, und seine Alben sind wie dieser Satz, genauso unendlich wie stakkatohaft, wie der beste Track »Shanty Town«.
Kruder und Dorfmeister – DJ Kicks (Studio !K7, 1996)
Wenn man in den 90ern in einem Plattenladen gearbeitet hat, dann traf man dort immer wieder die Handelsvertreter der Plattenfirmen, die einem Woche-ein-Woche-aus regelmäßig die tollsten Hits, den neuesten Stuff und das beste Album des Jahres, ach was Jahrhunderts zu verkaufen suchten. Wenn man sich die Machwerke dann anhörte, stumpfte man mit der Zeit gegen derlei Versprechen ab. Als ich das erste Mal Kruder & Dorfmeister so präsentiert bekam, wusste ich allerdings, dass es diesmal stimmte: die Jahrhundertplatte. Dabei schafften die beiden Wiener nur ans Licht, was im Untergrund schon ein gutes Jahr in der Gegend herum triphopte und downbeatete, aber das war es eben… welcher Track der beste ist: nicht zu entscheiden.
Björk – Debut (One Little Indian, 1993)
Ich war schon Fan der Sugarcubes.
Marillion – Script For A Jesters Tear (EMI, 1983)
Habe ich immer mit dem Walkman beim Radfahren gehört und als wir hatten ja nichts damals Jugendlicher beim Zeitungsaustragen. Sowas hat Folgen, das hätte man früher auch nicht gedacht. Man kann mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf wecken und mir die erste Zeile von sagen wir mal »Market Square Heroes« vorsagen und ich kann den Song, noch komplett schlafend zu Ende singen. Mein Lieblingstrack ist aber »Garden Party« und da ist es umgekehrt, wenn ich das höre, habe ich mit einem Mal Szenen von damals im Kopf. So sind Musik und Erinnerung miteinander verknüpft. Das kann man übrigens noch weiter treiben, so muss ich immer wenn ich Saxon höre, was zum Glück selten passiert, an Johannes-Mario-Simmels »Und Jimmy ging zum Regenbogen« denken, was beweist, dass ich früher nicht nur schlechte Bücher gelesen, sondern gleichzeitig auch noch schlechte Musik gehört habe.
Fields Of The Nephilim – The Nephilim (Rebel Rec., 1988)
Das beste Konzert auf dem ich war. Erst eine irische Saufband, deren Namen ich gleich beim dritten oder vierten Bier wieder vergessen habe und dann, als zweite Vorgruppe wohlgemerkt: Fields. Carl McCoy und Kollegen auf einer komplett vernebelten Bühne. Ich bin bis heute nicht sicher, ob die überhaupt wirklich da waren, wirklich gesehen hat sie jedenfalls keiner. Trotzdem haben sie komplett das house gerockt, den Laden in Grund und Boden gespielt, so richtig abgeliefert. Der Main-Act New Model Army hat dagegen echt blass ausgesehen. Bester Track und für immer und ewig beste Nephilim-Nummer: »Last Exit For The Lost«.
Dead Can Dance – Toward The Within (Rough Trade, 1994)
Dead Can Dance sind einfach irgendwie verrückt. Irgendwo zwischen orientalischen Weltmusikrhythmen und Gothicgoa und selbsterfundenen Sprachen lauert aber der Tiefgang, und darin verliere ich mich heute noch regelmäßig. Ich mal viele DCD-Scheiben, aber die Liveaufnahme »Towards The Within« ist mir die liebste, vor allem seitdem ich die unglaubliche DVD dazu gesehen habe. Derwisch, Alter!
Die fantastischen Vier – Lauschgift (Sony, 1995)
Ach ja, die Fantas. Haben auf so einer Liste eigentlich auch nicht unbedingt etwas zu suchen, verfolgten mich jedoch in den frühen 90ern über diverse Veranstaltungen und Festivals, so dass ich ihnen nur schwierig entkommen konnte. Die Fantas sind die ersten und letzten Deutsch-Hip-Hopper gleichzeitig für mich.
Red Hot Chili Peppers – Blood Sugar Sex Magik (Warner Bros., 1991)
Schon eine der späteren Scheiben von den Kalifornischen Nacktrockern, obwohl ich sie, bevor sie berühmt wurden, einmal bei einem kleinen Festival gesehen habe, wo sie dann tatsächlich auch nur mit einer Socke bekleidet auftraten. Mit »Blood Sugar Sex Magik« waren sie dann mainstream, »Under The Bridge« eben. Das war mir in diesem Ausnahmefall aber egal.
The Boomtown Rats – The Fine Art Of Surfacing (Columbia, 1979)
Meine erste Platte, geschenkt bekommen am Heiligabend 1979, zusammen mit Boney M.s »Nightflight to Venus« (was auf einen noch nicht ganz entwickelten Musikgeschmack hindeutet) und meinem ersten eigenen Plattenspieler. Den bekam ich wahrscheinlich, weil mein Vater seinen Plattenspieler und vor allem seine Platten für sich behalten wollte (was nicht geklappt hat, denn ich hatte beim Plattensammeln letztendlich den längeren Atem…), denn ich fühlte mich damals schon als DJ. Das »I don’t like Mondays« (Hit und bester Track) einen fürchterlich traurigen Hintergrund hat, wusste ich damals natürlich nicht, und dass Bob Geldof mal etwas wie Live Aid auf die Beine stellen würde, wer hätte das ahnen wollen?
Ton Steine Scherben – Keine Macht Für Niemand (David Volksmund Produktion, 1972)
Als junger Mensch habe ich viel Zeit in Zeltlagern mit dem Absingen von Arbeiterliedern verbracht. Als uns die zu altmodisch wurden, haben wir zu den Songs von Rio Reiser und den Scherben gewechselt. Und irgendwie bin ich dabei geblieben. Heute hört man natürlich lieber die philosophischen Texte, als Brechts Arbeitereinheitsfrontlied, aber man soll seine Vergangenheit nicht verleugnen. Bester Song: »Rauch-Haus-Song« (bei dem man sich immer wieder fragt, was eigentlich aus Berlin geworden ist, in all den Jahren in denen die Hausbesetzer Karriere gemacht haben).
Update: Mein Featurevorschlag für den iA-Writer: eine Touch-Tipp-Fehlerkorrektur.
Ein Prototyp (altgr. protos ,der Erste‘ und typos ,Urbild, Vorbild‘) stellt in der Technik ein für die jeweiligen Zwecke funktionsfähiges, oft aber auch vereinfachtes Versuchsmodell eines geplanten Produktes oder Bauteils dar. Es kann dabei nur rein äußerlich oder auch technisch dem Endprodukt entsprechen.
Wenn der Prototyp das Licht der Welt erblickt, dann hat es “Klick” gemacht, dann ist das Team aufgestanden vom Konzepttisch und hinüber gegangen an die Werkbank. Und wenn schon nach kurzer Zeit erste Ergebnisse zu sehen sind—Sachen die sich bewegen, auf die man klicken kann—dann weiss man, dass es nun losgeht, das jetzt etwas gebaut wird, an dem man bald Freude haben wird. Der erste Schritt ist getan. Fehlen nur noch 99%.
Das mit Google+ (aka. G+, ich hätte ja G-dot lustiger gefunden) etwas kommt, das die Landschaft der social networks verändern wird, ist nicht erst klar, seit man an allen Ecken davon lesen kann. Stellten die ersten Kommentatoren jedoch G+ noch als den möglichen Facebookkiller dar, scheint beim zweiten hinsehen viel eher Twitter in Gefahr zu sein, durch den Vorschusserfolg des Betastarts an Nutzerunterstützung zu verlieren.
Auch wenn die Aussage, Twitter sei konzeptionell am Ende hart klingt, steckt doch viel Wahrheit darin. Nicht dass ich mir geüwnscht hätte, dass Twitter sein Konzept noch wesentlich erweitert, wäre es mir doch auch lieb gewesen, das Konzept wäre durch die krampfhaften Monetarisierungsbemühungen nicht weiter verwässdert worden. Trotzdem stimmt es: Twitter ist am Ende nicht mehr als Massen-SMS, was die Limitierung des Nutzererlebnis und die limitierte Erweiterungsmöglichkeit angeht. Das Broadcast- und Followingmodell hat aber Vorteile und das social web sicherlich voran gebracht. Diese Modelle sind aber auch ohne Twitter nutzbar. Möglicherweise sogar besser.
Und da sich nun G+ auf Twitters Kernnutzerschaft (Geeks and Nerds) stürzt und bei denen, wie wir überall lesen können überaus gut ankommt, könnte zunächst eher Twitter denn Facebook in Gefahr geraten. Ja, so kann’s gehen, sagte die Glaskugel…
Clubathmo am Bildschirm: turntable.fm bietet Hör- und DJ-Erlebnis…
Kein Webstartup hat mich in den Jahren seit Twitter so gefangen genommen wie turntable.fm (ttfm). Anders als bei Twitter allerdings, man hat in den Jahren ja ein wenig Erfahrung hinzugewonnen, hat mich ttfm sofort komplett geflasht. Ehrlich gesagt, ich kann gar nicht aufhören, mich im user generated club herumzutreiben. Hier ein Insiderbericht.
In der Lobby des Clubs gleich die Qual der Wahl, in einer langen Liste sind Räume aufgeführt, die eine Minestanzahl an DJs und/oder Zuhörern bieten. Andere erreicht man über die Suchfunktion, jenseits der aufgelistetem herrscht in den Räumen aber oft karge Einsamkeit. Um einen Raum mit Musik zu füllen braucht man erstaunlicherweise zwei DJs, statt einem DJ plus Zuhörer. Dies ist eine der Einschränkungen denen ttfm folgt, in der Hoffnung als nicht interaktives Webradio(http://allthingsd.com/20110621/turntable-fm-really-is-awesome-is-it-legal/) durchzugehen.
Es gibt einige Räume, in denen ist definitiv immer etwas los, praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Rund um die Uhr wird irgendwo auf dieser Erde gecodet und darum läuft auch Coding Soundtrack rund um die Uhr. Außerdem sehr beliebt Ambient Chillout & TripHop. In diesen Räumen sind, wie in allen beliebten Räumen, meist alle fünf DJ-Pulte belegt.
Das stellt den Möchtegern-DJ leider etwas vor Probleme. Wer auflegen möchte, muss sich auf Wartezeit einstellen, so zwischen 10 Minuten und drei Stunden. Da freiwerdende Plätze natürlich schnell wieder belegt sind, ist man gezwungen praktisch die ganze Zeit live dabei zu sein, lässt man die Musik in einem Browsertab mitlaufen und beschäftigt sich zwischen mit anderen Dingen (Coden bspw.?), hat in Räumen mit viel Publikum wenig Chancen, ans Pult zu kommen. Aber nur in diesen Räumen locken die großen Punktezahlen.
Das Punktesystem ist dabei genauso grandios wie simpel. Die crowd kann während eines Songs durch Klicken auf die Schaltfläche awesome Zuspruch verteilen, oder eben mit lame zeigen, dass die Musik nicht gefällt. Dabei fällt auf, dass in Räumen, die musikthematisch gebunden sind, teilweise sehr auf die Einhaltung der Regeln durch offensives lamen von Songs geachtet wird. Die Punkte haben auch einen Sinn, außer dass man mit seinen Kudos angeben kann, entwickelt sich der Avatar anhand der Punktzahlen, Lanzzeitbetadeejays sind bspw. leicht als Gorillas zu erkennen…
Bei alledem wird über die Musik und alle zusammenhängenden Dinge natürlich permanent gechattet, schließlich müssen alle die gerne in absehbarer Zeit auflegen wollen, im Raum rumhängen und das Fenster offen halten. Kündigt einer der Aufleger dann an, demnächst das Pult zu räumen, gilt es per winterolympicsmäßigen Klicken Zugriff auf den freien Platz zu erringen. Das ist albern, aber das ist das DJing in einem richtigen Club eigentlich auch, also alles sehr realistisch.
Was die (bis zu) fünf DJs da machen, haben wir früher Ping-Pong genannt und es war eine schöne Beschäftigung für die Party nach der Party. Und so fühlt sich ttfm auch wirklich an, jedenfalls wenn man sich wie ich oft in den Ambient Chillout und Trip Hop Räumen aufhält: lebenslang afterhours. Cool!
Wie es sich für eine echte Betaphase gehört, gibt es natürlich auch ein paar Bugs. Mal funktioniert die Suche nicht, mal dreht der Wechselprozess völlig aus dem Häuschen und jeder DJ kann genau einen Takt spielen, mal verschwinden DJs bzw. deren Avatare einfach. Das trübt den Spaß aber nur selten, ist vielmehr Anlass für weitere Chats. Wenn ttfm das auch noch in den Griff bekommt und nicht von der Musikindustrie platt gemacht wird (Update: eben geschrieben, schon passiert: turntable.fm ist ab sofort nur noch in den USA zu erreichen!), dann sollte sich ttfm mit genug Serverpower eindecken, denn dann wird der Post-Beta-Ansturm riesig werden. Mit Recht.
Weil es mir gerade so passiert ist habe ich nun meine eigene Social-Media-Anekdote, die ich in Zukunft an jeder un- und passenden Stelle bereit bin, zum besten zu geben. Und die geht so:
Wir planen den diesjährigen Jahresurlaub vielleicht mal nicht in Dänemark zu verbringen, sondern wollen mal das Skandinaviengefühl etwas mehr ausreizen und deshalb nach… Schweden fahren. Ich weiss, es ist eigentlich so arn wie es klingt, aber man ist Gewohnheitstier yadayadayada… Da wir uns dort so gar nicht auskennen und ziemlich ratlos vor drei verschiedenen Angeboten ungefähr gleichwertiger Blockhütten, nein, Ferienhäuser saßen (an dieser Stelle kann man die Anekdote ein wenig ausschweifen lassen, so richtig am Thema vorbei, die Dänen haben ja viel luxuriösere Feriendomizile als der Schwede an sich zu bieten, aber ich schweife ab, scheinheilig), kam mir die Idee, da frag ich einfach mal meine Follower auf Twitter und meine Freunde auf Facebook.
Aktuell folgen mir bei Twitter 572 Leute, in der Mehrzahl digital natives, Webdeveloper, ganz ehrlich gesagt, die einen eher geringen Prozentsatz kenne ich persönlich (mea culpa) und umgekehrt. Das Ergebnis: eine Antwort von jemandem, der zur gleichen Zeit nach Stiockholm fliegt und mir ein Festival dort ans Herz legt (ist notiert!), ein anderer zeigt direkt auf die Region, in der eines der von uns favorisierten Häuser liegt, ein weiterer Tipp geht auf eine andere Region, die wir noch nicht erwogen hatten (es nun aber tun). Zusätzlich meldet sich der Account der schwedischen Botschaft (sic!) und weist freundlich auf die Tourismusseite Schwedens. Witzig. Ein Paradebeispiel von Social-Media-Nutzung wirklich herrlich! Die Kommunikation geht auch noch weiter, als ich mich in IKEA-schwedisch für den Tipp bedanke, bekomme ich von dem Menschen der hinter dem Account offensichtlich sitzt, einen persönlichen Tipp, was er für die beste Ferienregion hält. Ergo: es gibt die Followerpower, social media kann funktionieren, prima Beispiel.
Nun zu Facebook: dort Facebook bin ich nur mit Leuten befreundet, die ich persönlich kenne und zwar nicht nur vom Vorbeigehen, sondern die ich wirklich kennen gelernt habe. Das sind Familie, Kollegen, Freunde aus verschiedenen Wohnorten und Lebensabschnitten. Natürlich viel weniger, 78 handverlesene Bekannte und Freunde bekommen meine Frage nach den Reisezielen in Schweden präsentiert.
Es reagiert einer (trotzdem danke). Und derjenige meinte, ich solle doch besser nach Norwegen fahren, da könnte er mir ein paar Tipps geben, in Schweden kennt er sich nicht aus.
GEZ, Gebühren, TV, Radio, Mediatheken, Websites, Apps, hin- oder her: das ist doch alles ziemlich hahnebüchen, was das in Sachen Öffentlich-Rechtliche im Internet so zusammengeregelt, -prodzuiert und eben auch -geklagt wird. Hier also zum ersten und letzten Mal die ultimative Idee, wie der ganze Kram, den die öffentlich-rechtlichen von unserem GEZ-Zahler-Geld prodzuieren ins Internet (wo ja über kruz oder lang auch die TV-Sender selbst hin müssen) kommt, ohne immer wieder den Streit mit Verlagshäusern ausgesetzt zu sein (sei das nun berechtigt oder nicht).
Entschuldigen Sie bitte: Ihr Helm brennt!
Die Öffentlich-Rechtlichen richten einfach für die Zukunft ein frei verfügbares API ein, über das sich jeder vom Blogger bis zum Verlagshaus auf alle Zeiten an allen Inhalten der Sender in Form von Text, Audio und Video bedienen kann.
Verlagswebseiten können sich dort mit 100sek. Videos versorgen, oder die neuesten News abgreifen, Tatort-Communities Ausschnitte posten und ganz findige Programmierer können iPhone/Android/Web-Apps bauen. Und alle tanzen im Sonnenschein. Danke.