Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Bin kurz weg.

In der Reihe: „das Internet wächst uns über den Kopf und wir sind darin nur noch dumme Trottel, für die Sicherheit mehr ein Zufall als ein gewollt herbeigeführter Zustand ist” präsentieren wir ihnen heute: Mat Honan, den Mann, dem man ein Jahr seines Lebens weggehackt hat.

Ok, der Mann ist ein Depp, als einer der Menschen die keine Backups machen hat er erstmal nur wenig Mitleid verdient, jedenfalls für den erlittenen Datenverlust. Dafür hat er uns aber etwas gezeigt, was uns nicht oft genug gezeigt werden kann: in dem Internet in dem wir uns im Moment bewegen, gibt es keine Sicherheit. Unsere Daten sind (wenn überhaupt) allenfalls hinter Hoteltüren, und jeder — technische Kenntnisse sind dafür jedenfalls keine Vorraussetzung — kann sich ihrer bemächtigen. Es braucht nur ein wenig social engineering, einen Deppen an der Servicehotline des XY-Providers und das lockere Aneinanderhängen von Clouddiensten.

Dass man bei Apple Zugänge herausgibt, obwohl auf Sicherheitsfragen nicht geantwortet werden kann… wen wundert das schon? Der Service steht im Vordergrund, nicht die Sicherheit und ich will gar nicht wissen, wie oft dort Knallchargen anrufen, die vergessen haben, ob ihr Passwort nun gerade “Ernie” lautet oder “12345″ wie bei allen anderen Diensten. Tja, der Kunde ist König und der König will keine Sicherheit, sondern an seine Mails, im Zweifelsfall.

Dass man allerdings bei Amazon meint, die letzten vier Ziffern einer Kreditkartennummer anzeigen zu müssen, während man bei Apple genau diese vier Ziffern zur Authentifizierung nutzen kann, hey!, das ist Murphies Gesetz, ganz klar. Und derlei Koinzidenzen wird es noch viele geben, und unter je mehr Diensten man seine Daten verteilt, umso mehr Einfallstore versammelt man um sie herum. Aus dem single point of failure, die die Clouddienste jeder für sich darstellen würden, ist ein Netzwerk von Fehlerquellen geworden.

Und am Ende einer mal langen, mal kürzeren Kette von Pssword-Recovery-Mails freut sich der Hacker über direkten Zugang zu unseren Daten. Und da sind das Löschen von Kinderfotos und die Übernahme eines Twitter-Accounts noch die kleinsten Probleme die man bekommen kann. So gesehen hatte Honan noch Glück.

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Alle sprechen über das Wetter.

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Die in Bremen lebende Künstlerin Nellie Baartz geht seit ein paar Wochen mit ihrem Projekt Takeaway 1-42 auf Tour und macht damit auf ihre ganz eigene Art Kunst im öffentlichen Raum, oder vielleicht eher Kunst im Raum öffentlich… Stattgefunden haben diese Aktionen schon in Bremen und Berlin (siehe Video). Geplant ist, zunächst in Hamburg, Köln, München, Kassel, Oldenburg, Göttingen, Dresden, Düsseldorf, Amsterdam, Groningen, Barcelona, Tarifa, Genf, Newcastle, London, Stockholm, Umea, Kairo und Alexandria jeweils 42 Bilder Takeaways (Acryl/Graphit auf Malpappe 15 x 15 cm) zu verteilen. Wer ein Takeaway findet, kann es mitnehmen und im Blog seine Geschichte zu dem Bild hinterlassen.

Und weil das eine ziemlich ambitionierte Reiseroute ist, könnt ihr hier spenden oder noch besser hier gleich ein Bild erstehen. Chuck Norris würde natürlich eins der Bilder auf der Straße finden, nächster möglicher Termin ist am 1./2. August in Hamburg.

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Es war auf einer—wegen defekter Bremsen sehr aufregenden—Fahrt in einem alten Kadett B, als ich zum ersten Mal den Tankerkönig hörte. Obwohl das wohl schon in den 90ern war, fühlte sich alles echt 70er an, Auto und Musik und alles. Dahin höre ich mich hörte noch gerne zurück.

Hannes Wader wird heute 70.

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Irgendwo im Keller steht (m)ein alter PC. Innnerhalb seiner (sehr langen) Lebenszeit steckten nacheinander zwei Motherboards im Gehäuse, drei Prozessoren, zweimal wurde das RAM erweitert, einmal komplett ausgetauscht. Mindestens 10 unterschiedliche Festplatten, zwei CD- und zwei DVD-Brenner haben in seinem Gehäuse gesteckt. Drei Mal wurde die Grafikkarte ausgewechselt. Ich habe verschiedene Karten in das Gerät gebaut: Modem, Netzwerk, SCSI, IDE. Einmal wurde das Netzteil erneuert. Zusammengefasst: in seiner Lebenszeit habe ich den Rechner minimum zweimal komplett zerlegt und wieder zusammengesetzt, es dürfte nicht ein einziges Teil darin noch Original sein, ausser der Verkabelung vielleicht. Vom Windowsrechner wurde er zum Linuxrechner, ein wahres Distributionstestgerät, dann Webserver, zum Schluss Surfclient für meine Frau. Und wenn die Batterie nicht schlapp gemacht hätte, würde er sicherlich noch laufen.

Wir hatten ja nichts damals. Heute haben wir Apple.

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Da fährt morgens so ein Typ im Zug mit, der Kaffee und Brötchen vertickt; der Typ, nennen wir ihn mal Kaffeefritze, ist etwas laut und unangenehm, beschränkt sich mit seinen marktschreierischen Verkaufsmethoden jedoch auf den mittleren Teil des Zuges. Wodurch man seine Ruhe hat, wenn man bspw. ganz hinten einsteigt. Ich wette mindestens 40% der Leute, die hier im Abteil sitzen, wählen diesen Platz unter anderem, um dem Gegröle von »Kaffee, schwarz wie meine Seele« zu entfliehen. Ich mache das jedenfalls so.

Nun passiert allerdings regelmäßig folgendes: an Station X steigt dieser Typ ein, älterer Geschäftsmann in Trenchcoat und mit einem abgewetzten Lederaktenkoffer im Gepäck. Er fährt nicht jeden Morgen mit mir im Abteil, aber wenn er zusteigt, kommt nur Momente später unser Kaffeefritze ins Abteil gepoltert, mit einem, Sensation: Kaffee für den erwähnten Herrn. Dabei lässt Fritze nicht aus, laut zu artikulieren, dass er hier hinten sonst ja nicht bedient und ja nur für den einen Superstammkunden hierher kommt.

Dem scheint die Sache irgendwie peinlich zu sein. Ist ja auch kein Wunder: er wird praktisch jeden Tag zu Fahrtbeginn an die Öffentlichkeit gezerrt, da ihm Fritze nicht nur exklusiv das Heissgetränk reicht, sondern auch gleich ein gesteltzt lockeres, aber vor allem lautes Gespräch aufgezwingt, auf das er dann höchst einsilbig reagiert. Andererseits gibt er reichlich Trinkgeld, was vermuten lassen könnte, er genieße diese montypythoneske Szenerie.

Richtig lustig wird es natürlich, wenn nun einer der anderen Fahrgäste—eher Touristen als Pendler—nun auch einen Kaffee bestellen will. Dann versucht sich Fritze natürlich heraus zu reden, sein Kaffeewagen stünde ja soweit weg und er würde ja auch immer nur für diesen einen speziellen Kunden hierherkommen… je nach Lage und Kunde nimmt er dann aber doch die Bestellung früher oder später auf.

Man fragt sich beizeiten, ob die Herren nicht in ihren Gewohnheiten feststecken, eine Kommunikationsebene, in der einer der beiden sagt: »du, ich will jetzt gar keinen Kaffee mehr«, oder »danke fürs Trinkgeld, aber steigen sie doch wie die anderen vorne ein, wenn sie Kaffee wollen« scheint es nicht zu geben. Mir ist aber auch nicht ganz klar, wie es zu der Kaffeeabsprache gekommen ist, vielleicht hat ja der Typ dem Kaffeefritzen das Leben gerettet und der hat sich dann verpflichtet, für alle Zeiten Kaffee zu servieren, oder so.

Oder ich bin es, der in einer lostmäßigen Zeitschleife festhängt. Dafür würden auch die immer gleichen Durchsagen hier im Zug sprechen und die sich täglich wiederholenden Szenen. Zum Glück habe ich immer mein Handtuch dabei…

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Adam Yauch, * 5. August 1964 † 4. Mai 2012.

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So. Jetzt aber Frühling! Und pünktlich zu den ersten Sonnenstrahlen und Temperaturschüben zieht das musikalische Tempo ein wenig an. Bei mir jedenfalls. Ist ja nun auch schon wieder über ein Jahr her, seit dem letzten Mixtape.

Die meiste Arbeit macht ja sowieso immer die Tracklist.

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Mir fehlen die Worte. (via)