Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

9 Kommentare

Hat eigentlich schon jemand Pathgate gerufen? Klingt nicht so richtig, hm? Dort versucht man nun übrigens den reuigen Sünder zu geben und hat, wer wollte das Gegenteil beweisen, alle bis jetzt angesammelten Adressdaten gelöscht. Naja.

Bei genauerem Nachdenken, haben wir es aber auch nicht nur mit einem Pathgate zu tu, sondern viel mehr mit einem Adressbuchgate. Es wurde schon gestern vielerorts erwähnt, als iOS-Programmierer steht einem das Adressbuch offen wie ein Scheunentor und diese Option wird offenbar fleissig genutzt. Da muss man sich einerseits natürlich fragen, was man sich bei Apple dazu eigentlich denkt, andererseits, welches Gedankengebilde dahinter steckt.

In Sachen Gedankengebilde wurde auch schon angemerkt, dass in der EU bspw. Adresshandel durchaus erlaubt sei und praktiziert werde. Das heisst dann aber auch soviel wie: ich muss damit rechnen, das mir jede x-beliebige App die Kontaktdaten ausräumt und mit den gewonnenen Daten hausieren geht. Ganz toll.

Ich weiss ja nun selbst ziemlich genau schon, das man nicht bei Preisrätseln mitmacht, sich kein kostenloses Probeabo am Hauptbahnhof andrehen lässt, am besten keinen Nachsendeauftrag vergibt beim Umzug und so fort. Alles Maßnahmen, meine eigene Adresse vor der Weitergabe und dem Verkauf zu schützen. Das funktioniert schon nur bedingt, wenn man sich im Umfeld Internet oder gar socialmedia bewegt, zumindest wenn’s um die Emailaddi geht. Durch die pure Benutzung den kompletten Satz gut gepflegter Geschäftskontakte, also Adressen anderer Leute, die keine Chance haben, sich auf irgendeine Art zu wehren, abzuschöpfen hingegen ist meines Erachtens ein krimineller Akt, oder sollte einer sein. Und wenn das common practice ist, hallejulia!

»Tja Du naiver Idiot, da hättest Du auch mal selbst drauf kommen können, hättest Dich und Dein Adressbuch besser schützen sollen« hör ich da schon wieder Leute sagen. Und genauso ist es auch: aber damit verliert das Adressbuch auf dem iPhone seinen Sinn, muss zwangsweise leer bleiben. Das macht das iPhone in Sachen Telefonie allerdings zu einem Ziegelstein, vulgo nutzlos. Das kann ja auch nicht im Sinne der Firma Apple sein.

But Apple can, and should, assure users that no app can read their contact data without their knowledge and explicit permission. I don’t know why this hasn’t always been required, but it probably isn’t a good enough reason to justify the erosion of user trust in iOS apps that this could cause. Marco Arment

Die Antwoord bei Letterman

1 Kommentar

Ich beschäftige mich ja nun nicht erst seit gestern mit responsive webdesign, aber diese Woche wird scheinbar eine kleine, aber ungeplante Serie daraus. Nun gut. Nachdem ich mich gestern gefragt habe, in welchen Bereichen die Technik noch fortentwickelt werden muss, um für große resp. kommerzielle Seiten interessant zu werden, will ich mir heute einmal die kritischen Stimmen anhören, die es durchaus auch gibt. Achtung: Meinung voraus…

In Did we lose track of the big picture? malt Thierry Koblentz ein aus seiner Sicht düsteres Bild der Dinge:

I’m afraid to say we’ve lost a few battles. As of today:

  • “responsive design” beats “progressive enhancement”,
  • “multi-device frameworks” beats “basic core support”,
  • “screen-readers” beats “text-based browsers”.

(weiterlesen …)

8 Kommentare

Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich das geschlossene soziale Netzwerk Path über den grünen Klee gelobt und musste dafür auch Kritik von den Kommentatoren einstecken. Yet another social network, das uns Informationen über uns und unsere Aufenthaltsorte aus der Tasche leiert war wohl das Fazit. Allein: es kommt noch schlimmer.

Wie Arun Thampi festgestellt hat und was Path inzwischen auch bestätigt hat, macht die Path-App vor allem eins: sie liest das komplette iPhone-Adressbuch aus und lädt es auf einen Path-Server!

Laut Aussage von Path braucht man das, um nach möglichen Kontakten im Adressbuch zu suchen, andere Apps, namentlich zum Beispiel auch Facebook bekommen das aber auch hin, ohne gleich die ganzen Daten zu entführen. Klipp und klare Aussage: soetwas hat keine App zu tun. Path will nun ein Update liefern, das eine Opt-In-Möglichkeit für die Feature anbietet, ob damit auch die Adressbücher von Leuten, die mit dem jetzigen Zeitpunkt die App löschen und aus Path austreten gelöscht werden, ist noch offen.

Das werde ich nun aber auf jeden Fall machen. Asche auf mein Haupt, irren ist menschlich.

Path should be private by default. Forever. You should always be in control of your information and experience.

20120207-191618.jpg

Ich mag’s hier.

15 Kommentare

Wir wissen nun, wie man responsive Webdesign in der Praxis umsetzt und haben uns auch schon Gedanken über sich anpassende Inhalte für unterschiedliche Nutzungssituationen gemacht. Nun stellt sich natürlich die Frage, was noch fehlt, damit sich responsive Webdesign in der Praxis durchsetzt.

Zunächst mal begegnet man responsiven Lösungen ja eher im Bereich Agenturseiten, Blogs und Landingspages, vielleicht mal ein—zugegeben—großes Webdesign-Magazin, eher konservative Bereiche des Webs, also die großen Portale oder Newsseiten halten sich bis dato noch zurück. Einzig die Webseite des Boston Globe setzt voll auf responsives Design. Wo liegen also die Probleme?

Problem numero uno ist natürlich die mangelhafte Browserunterstützung. Wirklich große Webseiten haben sicherlich noch lange nicht alle die IE6-Unterstützung gedroppt. Javascripte die bei den alten Browsern nachhelfen gibt es, aber sie kommen in Hochlastumgebungen eher nicht in Frage. Und ebenso dort, wo Zugänglichkeit Vorraussetzung ist.

Unschön auch die Sachen mit den Bildern. Hier spielen zwei Faktoren einen Rolle: der Wunsch nach qualitativ hochwertigen Bildern und gleichzeitig soll bspw. dem iPhone-Nutzer eigentlich kein 1080p-Image zum Download zugemutet werden, wo es doch auf seinem Smartphone auf 300px herunterskaliert wird. Natürlich gibt es Lösungen, die entweder auf Javascript basieren oder auch auf CSS, aber gerade für CMS-basierte Seiten mit angeschlossener Bildverwaltung stellt es ein nicht triviales Problem dar, Bildobjekte entsprechend anders einzubetten, eine Einbettung via CSS Hintergrundbilders oder gar :before stellt eine unlösbare Aufgabe dar.

Der nächste große Blocker, ich wiederhole mich mit den Jahren, ist natürlich wieder Bannerwerbung. Bannerwerbung, mit ihrer kindischen Fixierung auf Pixelmaße, hat fluide Seiten genauso verhindert, wie sie jetzt dem responsiven Design im Wege stehen. Es ist aber auch viel verlangt, nach 10 Jahren haben sich die Bannerschrauber eben erst daran gewöhnt, dass Webseiten zentriert dargestellt werden wollen, nun wollen die doofen Seiten auch noch den ungenutzten Raum belegen, in der bisher nur Skyscraper und sticky ads herumlungerten. So kann man allenfalls auf Ads innerhalb des Contents hin- und her verschieben, bis sich die Werbung der Bildschirmgröße an (ohne den ganzen Bildschirm ausfüllen zu wollen), darauf werden wir weitere zehn Jahre warten müssen.

Dass die leckeren Kirsch-Lakritz oben aus Großbritanien via Royal Mail geliert werden würden, wer hätte das ahnen können? Stand ja sicherlich auch nirgendwo, so drei- bis viermal. Ich Riesendepp. Na gut, eine Tüte Lakritz für 16 Euro… die müssen jetzt aber schmecken.

15 Kommentare

Während man wirklich sehr viel über responsive webdesign und/oder über mobile first liest, habe ich bereits die nächste Gebetsmühle im Ohr, denn es gibt noch ein paar Dinge die wir brauchen werden, wenn wir ein wirklich mobiles Internet bauen wollen. Zum Beispiel: responsive content.

Wenn wir uns über die Nutzung des Webs mit mobilen Endgeräten Gedanken machen, sehen wir als Entwickler und Programmierer oft die technischen Beschränkungen die im mobile web herrschen. Kleine Bildschirme, niedrige Verbindungsgeschwindigkeiten, beschränkter Download, aussetzende Verbindungen, Touchbedienung und so fort. Für alle diese technischen Probleme lassen sich technische Lösungen finden. Diese haben, da sich der Mobilmarkt rasend entwickelt (5 Euro ins IT-Phrasenschwein) und vor allem die Technik dahinter, eine relativ kurze Halbwertzeit.

Hinter diesen Einschränkungen liegt aber etwas, was ich als die mobile Nutzungssituation bezeichnen würde und diese ist viel festgelegter als die Technik selbst. Beispielsweise können wir davon ausgehen, dass ein mobiler Nutzer viel weniger Zeit hat, als ein Desktop- oder Sofasurfer. Das klingt wie eine banale Feststellung, aber hat doch trotzdem einen großen impact. Wir versuchen ja auch schon, wieder mit technischen Mitteln, auf eine solche Situation einzugehen (Ladegeschwindigkeit einer Seite), aber was nutzt das wirklich, wenn dann kilometer lange Bleiwüsten schnell aus? Außerdem ist die mobile Nutzungssituation durch weit mehr Eigenschaften gekennzeichnet, als der fehlenden Zeit. Einhandbedienung könnte dazu gehören, örtliche Beweglichkeit während der Nutzung, Einflüsse durch die Umgebung etc.

Hierauf müssen aber IMHO nicht nur Gerät und Website reagieren, sondern eben auch der Inhalt, soweit meine These. Beispiel: ein Nachrichtenportal sollte seine Artikelseiten vielleicht nicht als Einseiter oder auf vielen Seiten verteilt anbieten, sondern in drei inhaltlichen Ausbaustufen. Titel und Teaser für Indexseiten, kurze zusammenfasende Version eines Artikels, lange epische Fassung eines Artikels. Als mobiler Nutzer sollte man dann zwischen diesen Formen wählen können (und standardmäßig die kurze Version gezeigt bekommen). Und auch die Indexseiten sollten auf die Nutzungssituation ausgerichtet sein. Wollen die Nutzer, wenn sie unterwegs sind nur kurz den Dax kontrollieren, oder lange feuilletonistische Stücke lesen? Möglicherweise gehören nicht immer andere Dinge an den Kopf der Seite, aber vielleicht manchmal? Das ist dann kein SEO-Thema, sondern eher Kundenservice. Gleiches gilt natürlich für Ads, die sich nebenbei gesagt noch ganz schön an das Thema responsiveness annähern müssten.

Anderes, vielleicht nicht ganz so offensichtliches Beispiel: eine Community für Computerspiele sollte vielleicht auf der mobilen Seite nicht seine zugekauften News über Spiele vorne anstellen, sondern die Tipps und Walkthroughs, weil nämlich ihre Nutzer das Handy als Nachschlagehilfe neben dem Rechner liegen haben, während des Spielens, da derselbe ja durchs Spiel belegt ist und zum Browser switchen ziemlich abtörnend ist. Möglicherweise ist das so. Vielleicht auch nicht, müsste man mal herausfinden.

Ähnliche inhaltlichen Unterschiede sind denkbar für die Nutzungssituation auf der Couch. Den gemeinen Couchsurfer kann man ja auch ziemlich leicht targeten, er greift abends mit seinem iPad auf Webseiten zu. Dieser Nutzer widerum gibt gewöhnlich nicht viel auf Börsenkurse…

3 Kommentare

Mich schockt immer wieder dieser ausdrückliche Wille zur Hässlichkeit. Via.

Ganz kurz, das hier schon ausgiebig besprochene Wunderkit ist in beliebiger Reihenfolge

… und die wichtigste News von allen: man kann nun das Hintergrundbild ändern! ;) Per Dashboard! Genial.