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Das Weblog von Nico Brünjes.

Filme von Quentin Tarantino

Nico Brünjes am
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Reservoir Dogs

Mit dieser Diskussion darüber, welcher tiefere Sinn nun in Madonnas Hit »Like A Virgin« zu finden ist, beginnt der erfolgreiche Teil von Quentin Tarantinos Filmkarriere und einer seiner besten Filme. Das dialoglastige Drama um einen Überfall wurde von Tarantino noch mit relative einfachen Mitteln erstellt und ist gerade deswegen besonders hervorzuheben.

trunk shotNoch dazu enthält bereits Reservoir Dogs alle Eigen- und Besonderheiten, die man später mit dem filmischen Werk Tarantinos verbinden wird. Es gibt schon trunk shots (siehe Foto), den mexican standoff und hunderte Anspielungen und Zitate, die das Herz des Filmliebhabers höher schlagen lässt. Überhaupt: Tarantino macht Kino von einem Cineasten für Cineasten und für Musikliebhaber: die Auswahl halbvergessener 70er-Jahre Songs ergibt einen einmaligen Soundtrack.

Pulp Fiction

Das Meisterwerk. Nominiert für sieben Oskars, ausgezeichnet mit dem Oskar für das beste Originaldrehbuch, ausgezeichnet mit einer goldenen Palme. Pulp Fiction hat unser Leben beeinflusst, die Sprache, das Filmposter dürfte zu den meistverbreiteten seit Che Guevara gehören. Nummer fünf bei den Uservotes auf imdb.com. Nach der Rocky Horror Picture Show der Film, den ich am häufigsten gesehen habe. Pulp Fiction ist eben einer dieser Filme, die man immer und immer und immer wieder ansehen kann. Man findet immer wieder etwas neues. Etwas, das gesagt wird, oder wie es gesagt wird, irgendeine Geste, ein Requisit, irgendetwas, das einem vorher nie aufgefallen ist. Das ist ein Effekt, den Tarantino danach nicht wieder erreicht hat. Es mag in den folgenden Filmen ähnlich viele Referenzen und Zitate geben, doch nirgendwo sind sie in solch einer Vielzahl vorhanden und so reichhaltig wie in Pulp Fiction.

Trunk shot mit Samuel L. Jackson und Chris Tucker. Besser geht’s nicht.

Jackie Brown

Noch besser gefallen als Pulp Fiction hat mir Jackie Brown. Das mag daran liegen, dass Jackie Brown weniger episodenhaft daher kommt, zumindest plotmäßig stringenter ist (Stichwort: Heist-Movie) und natürlich daran, dass Foxy Brown Pam Grier mitspielt (und der ganze Film darauf ausgelegt ist) und Robert deNiro wie deplaziert durch den Film wuselt.

Der Soundtrack alleine ist schon eine Offenbarung: er steht in meiner ewigen Playlist auf Platz 72/100, was eine Leistung ist, für nichtelektronische Musik.

In Jackie Brown perfektioniert Tarantino die in der Vorgängern angelegten running gags und spielt ausgiebig mit seinen immer wiederkehrenden Elementen, wie Szenen, Namen/Personen und Requisiten. Der Film enthält beispielsweise den IMHO besten trunk shot aller Zeiten, Jackie Brown kauft den gleichen Anzug, den schon Mia Wallace in Pulp Fiction trug, außerdem fährt sie den gleichen Wagen wie Butch Coolidge’s Freundin Fabienne: einen weißen Honda.

Kill Bill 1/2

Mit Kill Bill hat Tarantino seine Liebe sowohl zum asiatischen Kino, als auch zu Italo-Western in zwei eigene Filme gepackt. Dabei stellt Teil 1 mehr den Schlitziekomponente und Teil 2 die Sergio-Leone-Abteilung dar. Das Thema des Films ist Rache. 247 Minuten kalt servierte Rache, nein wirklich, das Motiv wird nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen. Das ist mitunter ein wenig anstrengend.

Natürlich sind auch Kill Bill 1 & 2 vollgestopft mit dem gewohnten Tarantino-Stuff, aber er tritt anders als bei den vorigen Streifen mehr in den Hintergrund, zumindest im ersten Teil. Dafür gibt es wieder den etwas verqueren Erzählpfad, wie man ihn schon aus Pulp Fiction kennt, was aber – vielleicht aufgrund der Zweiteilung – nicht über Vol. 1 und 2 hinaus funktioniert.

Interessant finde ich, dass für das japanische Kino eine abweichende Version umgesetzt wurde, nein umgekehrt: die internationale und die US-Version wurden von Tarantino entschärft – zum Beispiel durch schwarz-weiß Szenen. Außerdem fehlt der japanischen Version der Hinweis auf Star Trek am Beginn des Films: »Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.—altes klingonisches Sprichwort.«

Interlude: andere Projekte

Neben den Regiearbeiten und dem Fußfetischismus ist Quentin Tarantino natürlich auch sonst ein ziemlich umtriebiger Typ. Deswegen sollten seine weiteren Werke, Beteiligungen und Auftritte nicht unerwähnt bleiben. Die erste Hälfte von From Dusk ’til Dawn ist bekanntermaßen von Tarantino – das ist der Teil des Films, den man sich ansehen kann. Dann beteiligte er sich an Four Rooms mit einer wunderbaren Episode, in der Tim Roth Paul Calderon während einer Wette einen Finger abhackt. Ebenso übernahm er Regiearbeit an Sin City.

Weiterhin ist Tarantino Autor, Produzent, ausführender Produzent und Schauspieler. Das reicht von Kinohits anderer Regisseure (z.B. True Romance) bis hin zu Fernsehauftritten (z.B. CSI). Dies und alles, wirklich alles über Quentin Tarantino erfährt man übrigens in den Quentin Tarantino Archives.

Death Proof

Death Proof hat mir ausdrücklich nicht gefallen. Ich war kein Grindhouse-Fan und mich verwundert es bis heute, dass angeblich jeder den Begriff schon kannte, als das Doublefeature mit Planet Terror bekannt wurde.

Ich kann mal kurz aufzählen, was mir nicht gefallen hat: ich brauche keinen künstlich gealterten Film, habe nichts für Kurt Russel übrig und Zoë Bell fand ich jetzt auch nicht so prickelnd, bin kein Slasher-Fan und habe auch nicht viel für getunte Autos über. Und ich bin kein Fußfetischist.

Es wird weder Tarantino, noch Robert Rodriges stören, aber auch Planet Terror fand ich ziemlich öde. In diesem Sinne ist das komplette Grindhouse-Doublefeature für mich ein Flop.

Inglourious Basterds

Der letzte ist zugleich Tarantinos (finanziell) erfolgreichster Film und bei acht Oskar Nominierungen – bester Film, bester Nebendarsteller (Christoph Waltz), beste Regie, bestes Originaldrehbuch, beste Kamera (Robert Richardson), bester Schnitt (Sally Menke), bester Tonschnitt (Wylie Stateman), bester Ton (Michael Minkler, Tony Lamberti and Mark Ulano) – sicherlich auch der Höchstausgezeichnete.

Screenshot

Die lockere Art, mit der sich Tarantino seine eigene Geschichte des 2. Weltkriegs geschrieben hat, kam dabei lange nicht bei jedem an, vor allem in Deutschland zog er einen dicken Graben durch das Feuilleton. Dafür drehte Tarantino in Deutschland und castete viele deutsche Schauspieler: Daniel Brühl, Diane Kruger, Gedeon Burkhard oder Til Schweiger beispielsweise. Der Österreicher Christoph Waltz wird sogar als die Entdeckung des Films gefeiert. Waltz über Tarantino: [Er] ist eine unerschöpfliche Quelle an Inspiration. Es hat etwas mit dem Energielevel zu tun, auf dem er agiert.

15 Kommentare

  1. Schweinhund! Wie grandios!

    (Ist das Absicht, dass oben noch eine Thumbnail des Artikels drin ist.)

  2. (Jetzt ist es weg.)

    Ich würde noch “Killing Zoe” erinnern wollen, den er auch mit produziert hat, und der sehr deutlich die Handschrift trägt, die Du hier nachgezeichnet hast.

  3. Schwabenfreund
    06.03.2010, 08:56 Uhr

    In Sachen Jackie Brown kann ich nur zustimmen. Das Buch war auch ein Bestseller (Autor Schnappt Shorty). Endlich mal jemand, der meiner Meinung ist – danke. JB ist der beste Tarantino.
    Aus meiner Sicht einer der coolsten Filme überhaupt.
    Grohsess Räspägd fuhr Editoriaahl Disein oauch!

  4. Mensch, Ihr seid ja früh dran. ;)

  5. True Romance hätte ich noch erwähnt, zwar “nur” Drehbuch geschrieben, aber allein die Sizilianer Szene ist immer noch sein bester Dialog.

  6. Ich hab’s mal auf Filme beschränkt, die mir gefallen haben. ;) True Romance ist mit Christian Slater. Mal bitte, Christian Slater. Killing Zoe, hmm, da kenn ich nur die Synchronfassung, wo Zed die ganze Zeit nur heiser in seinen Bart nuschelt… nee, nicht mein Fall. Und mehr Platz war wirklich nicht… :)

  7. Wow. Das Design! Großes Kino, gratuliere! Und 95% Zustimmung, ich habe gleich mal wieder den Jackie Brown Soundtrack rausgeholt.

    Aber ich mag auch Death Proof. Obwohl ich fast befürchte, dass unser Sohn so Auto-fixiert ist, weil er vor seiner Geburt den Film in einem überlauten Kino hören musste :-).

  8. Sehr sehr schön hier.

    Zu Grindhouse sei gesagt: Ich glaube da hat der Verleih mit seiner Kommerz-Idee zwei Filme draus zu machen die Filme hingerichtet. Auf eine Stunde komprimiert wäre Planet Terror knackiger und Death Proof trashiger & nachvollziehbarer gewesen.

    Danke für den Artikel.

  9. @Arne, hehe, das ist doch das Gespräch, das wir nach Inglourious Basterds geführt haben… ;)

  10. Lustig, diese Seite eignet sich ganz prima als Browsertest:

    - Safari, MacOS: perfekt
    - Chrome, Windows: perfekt, aber gedrehte Bilder könnten Kantenglättung gut vertragen
    - Safari, iPhone: erster Absatz und gedrehter Kasten nicht lesbar, keine Kantenglättung an gedrehten Bildern
    - WebOS-Browser, Pre: wie iPhone, aber Kantenglättung

    :-)

  11. Der Fehler im iPhone ist weniger aufs Rendering zurückzuführen, als auf etwas ungeschicktes CSS. Der Text wird dort einfach ein wenig länger gerendert und ich habe das nicht richtig abgefangen, so läuft der Text ins Bild. Liesse sich noch reparieren…

    Ich selbst habe noch in Firefox Mac und PC getestet, der macht alle Features, aber die Schrift im gelben Kasten tanzt wild durch die Gegend. Im Opera (Mac) sieht’s gut aus, da fehlen die CSS3-Rotationen. In den IE’s ist übrigens überhaupt kein Artikeldesign zu sehen, sondern das normale Artikellayout (über CSS Media Query ausgesperrt)…

  12. Wow. Erstmal war ich völlig beeindruckt von diesem grandiosen Design, vielen dank für so eine tolle Inspiration. Nun hab ich mir alle der aufgelisteten Filme angeschaut und bin wirklich befriedigt. Pulp Fiction war der einzige der Filme, die ich schon vorher gesehen hatte, welcher mich mehr oder weniger zum Fan gemacht hat (obwohl ich nur den einen gesehen hatte) naja und ich kann mich nur nochmal bedanken, dass du mich dazu angeregt hast die ganzen tollen Filme anzuschauen.

  13. Großartiges Design! Sehr schick :)

    Bei den Filmen stimme ich Dir größtenteils zu. Am Wochenende habe ich mir Death Proof angeschaut und war recht irritiert über den Handlungsverlauf. Planet Terror fand ich hingegen besser.

  14. Pulp Fiction ist einfach klasse -- gehört zu meinen Lieblingsfilmen.

  15. Erstmal auch von mir Gratulation zu diesem hervorragend ausgearbeitetem Design. Das Ganze wirkt weniger wie ein Blog-Artikel, sondern viel mehr wie eine exklusive Film-Zeitschrift. Die Tarantino-Filme sind meiner Meinung nach allesamt absolute Hammer, auch wenn Death Proof da leider etwas aus der Reihe tanzt. Die Sache mit dem Fußfetischismus habe ich mir aufgrund einiger Szenen in seinen Filmen schon gedacht, doch die Bestätigung hat mich gerade nochmal zum Grinsen gebracht.

Ein Ping

  1. [...] ist nicht Michael Jackson damit gemeint sonder Quentin Tarantino! Hier seht ihr eine wunderbare Zusammenfassung (+Kritik) seiner größten [...]