Codecandies

Das Weblog von Nico Brünjes.

Mobile Aussichten: mangelhaft bis sehr gut

Die Firma “mowser” – ein Spezialstartup für mobiles Internet – gibt auf und zwar, weil es den mobilen Traffic, jenseits der Smartphone- Opera-Mini- und iPhone-Nutzer, einfach nicht gibt. Die Prophezeiung, dass die Welt nun in Kürze noch mit dem letzten Mikro-WAP-Browser online gehen würde, erfüllt sich immer mehr nicht.

[Update: Manuel Bieh sieht das gut begründet anders.]

Anders als in den Staaten vielleicht, ist es bei uns wenig verwunderlich, dass das mobile Web in den Kinderschuhen stecken bleibt: die Anbieter legen sich schließlich nicht gerade ins Zeug, wenn es darum geht, Internetdienste zur Verfügung zu stellen. Die Preise für Flatrates in diesem Bereich sind noch astronomisch (vor allem, wenn man das zusätzlich zu den Kosten des stionären Webs rechnet). Und Einzelverbindungen sind stellenweise so teuer, dass es sich eher um Abzocke handelt, die darauf ausgerichtet ist, Leuten, die aus Versehen die Internettaste ihres Handies betätigen abzukassieren.

Dementsprechend bleiben nur die Earlyadopter (immer noch), die natürlich nicht mit dem durchschnittlichen 1-Euro-Device das Netz unsiche machen, sondern eben mit iPhone oder Opera mini. Bei diesen Browsern jeodch bekommt man mit ein paar mobilen bzw. spezialisierten CSS wesentlich mehr Ergebnis, als mit teuer auf “mobile” angepassten Anwendungen. Warum einen Javaclient für Gmail, wenn Gmail direkt funktioniert? Eben.

Zum fehlenden, oder schlechtem Traffic (Beattie says traffic at Mowser was poor and 80% of it was made up of porn seekers.), kommen dann noch (wieder bei uns in D zutreffend) die Abzocker, die mit dem angeblichen Trend unwissenden Entscheidern Hunderttausende für nutzlose mobile Service aus den Rippen gequatscht haben, die inzwischen technisch schon überholt sind (WAP bspw.). Das alles wirft ein düsteres Licht auf die Idee “mobiles Web”.

Und lässt gleichzeitig das ganz normale Web wieder erstarken, denn das ist der eigentliche mobile Trend: “normal Web on phone” nenne ich das jetzt mal. Hätte man wissen können…

6 Kommentare

  1. Dürfte interessant werden, ob dem Beispiel weitere folgen werden.

  2. das ist eben der weitläufige irrglaube das es damit getan wäre, seine herkömmliche webpräsenz auf mobilen geräten lauffähig zu bekommen.

    ein so super dienst war mowser nicht als das man nicht nachvollziehen könnte, dass den kram keiner genutzt hat.

    die haben durch ihre software halt klein gemacht, aber nicht klein gedacht. und das ist ein typischer fehler den viele leute immer wieder machen.

    mobiles internet bedeutet nicht (nur), seine website auf möglichst kleinen bildschirmen lauffähig zu machen, sondern gezielt auf den kontext, also die umgebung und auf die allgegenwärtigkeit des internets einzugehen.

  3. Danke für den fundierten Kommentar. :)

    Da ist natürlich etwas dran. Von mir da auch zu eindimensional gedacht. Aber dieses Denken hat sich dann auch nur bei wenigen durchgesetzt.

    Woran liegt das Problem dann nun? Ich meine, die Devices sind da, allzuviele Anwendungen in dieser Richtung sind mir nicht bekannt, aber ich beginne auch erst mit der mobilen Nutzung des Netzes.

  4. Naja, ich denke mal, so eine “Art Durchbruch” wird das mobile web in Deutschland erst dann erleben, wenn die Nutzung desselben nicht mehr mit bösen Überraschungen assoziiert wird und die Endgeräte ein gewisses Level haben. Ich habe zum testen viele Geräte rumliegen, aber selber nutzen will ich das alles nur mit einem wirklich leistungsstarken Teil. An einer Stelle weist Russel B. in dem Post auch genau darauf hin, daß kein normaler Mensch ohne ein (gut!) geeignetes Gerät mobil ins Internet geht. Und wer eine Flatrate zu seinem Vertrag/Neuvertrag dazu bucht wird sich ziemlich sicher auch um ein solches Gerät bemühen.
    Das bedeutet wiederum auch -- meiner Meinung nach -- daß es i.a. vergebene Mühe ist, MobileWeb-Angebote für allzu “schwache” Endgeräte zu optimieren.
    Apple/T-Sys haben das -- bei aller Kritik -- dann schon gut gemacht: Guter Browser, gutes Netz, Datenflat, alles voreingestellt, etc. Da macht mobile Internet vielen -- erstmals -- richtig Spaß…

  5. Yep, das ist genau das Spannungsfeld, das ich meine. Ich nutze zur Zeit den Mini-Opera auf einem W910i und das ist tatsächlich zusammen eine ganz gute Mischung, mit der mobile Internet tatsächlich möglich ist. Trotzdem ein völlig anderes Nutzungserlebnis bietet sich mit dem iPhone/iPod touch… da kriegt man irgendwie schon so einen “jetzt-geht-aber-alles”-Schub.

    Folgende Beobachtung gilt wieder nur für “Content” in meinem (Newssite) Sinne: es haben sich tatsächlich iPhone-User hier beschwert, dass wir ein auf iPhone spezialisiertes CSS ausliefern… hierbei handelt es sich natürlich um WLAN-User, denen die Menge an Content dann wieder egal ist, aber… wenn man erstmal Flatrate und fast connection hat, gilt das natürlich analog. Oder?

  6. Kommt schon drauf an. iPhone Nutzer als Web-Surfer sind natürlich auch eine besondere Spezies :-) Die Menge an Content ist immer noch nicht egal, denn manche Geräte können nicht so viel handeln (die neueren allerdings schon) und alle sind im Vergleich zum Desktop eher schwache Computer. Dennoch, der wirkliche Punkt ist eben der “mobile Context”, den man im Vergleich zum stationären Web vorteilhaft ausspielen könnte: Tel. Nr. verlinken, SMS Feedbacks zu allem möglichen triggern, last minute Zeugs, … Das Mobile-Angebot ist eben nicht eine verkleinerter Version des Desktop-Angebotes.
    In letzter Zeit habe ich gelegentlich auf expliziten Mobile-Sites auch einen “PC-Version” Link gesehen, damit User die es wollen, eben die “Full-Web”-Version aufrufen können.

    Ein lesenswerter Artikel dazu ist, wie ich finde: http://dev.mobi/blog/low-fat-or-full-fat-its-still-one-web

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  1. [...] Rest der Studie klingt ein wenig, wie meine Einschätzung des Handysurfmarktes, das ist leider ein wenig pessimistisch. Zumal wir uns ja in den Kommentaren darauf geeinigt [...]